Mob brennt wegen Facebook-Post Dorf nieder

Weil ein Hindu den Islam beleidigt haben soll, attackierten Tausende Extremisten dessen Dorf. Ein Mensch ist tot, das Facebook-Profil vermutlich ein Fake.

In der bengalischen Region Rangpur hat eine wütender Mob religiöser Extremisten ein Hindu-Dorf in Schutt und Asche gelegt, nachdem ein Jugendlicher aus der Gemeinde sich auf Facebook abfällig über den Islam geäußert haben soll – das berichtet die örtliche Tageszeitung "Dhaka Tribune".

Mindestens eine Person wurde bei dem Angriff auf das Dorf Thakurapara in Rangpur Sadar Upazila am Freitag (10. November) getötet. Rund dreißig Häuser wurden niedergebrannt, weitere geplündert, erzählen Zeugen. Dutzende Familien verloren ihr Zuhause.

Straßenschlacht mit Polizei

Laut dem Bericht hatten sich rund 20.000 Muslime aus sechs umliegenden Städten nach dem Freitagsgebet versammelt, um sich für die vermeintlichen Läster-Postings auf Facebook zu rächen. Nur ein kleiner Teil der Menschenmenge sei gewalttätig gewesen.

Trotzdem kam es beim Eingreifen der Polizei zu Übergriffen. Die Beamten setzten Tränengas ein, es kam zu Schusswechseln, wobei sechs Personen von Kugeln getroffen wurden. Ein Jugendlicher namens Hamidul I. erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Rund 100 Menschen wurden festgenommen, 47 weitere konnten durch Videoaufnahmen identifiziert und angezeigt werden.

Kam Aufregerbeitrag von Fake-Profil?

Seit dem Massenangriff versucht die Polizei des mehrheitlich muslimischen Landes – etwa 90 Prozent bekennen sich zum Islam – fieberhaft, die Aufrührer sowie den Verfasser des beleidigenden Facebook-Posts auszuforschen. Ersten Ermittlungen zufolge stammt der ursprüngliche Beitrag von einem Account namens "MD Titu", der auf einen Mann aus dem niedergebrannten Dorf zurückgehen soll.

Derzeit deuten alle Hinweise daraufhin, dass der Angriff auf die Hindu-Gemeinschaft von Unbekannten inszeniert wurde. Denn der betreffende Facebook-Account existiert erst seit September und der angebliche Inhaber ist vor sieben Jahren aus der Region geflohen, nachdem er Darlehen diverser NGOs nicht zurückzahlen konnte. Dessen Familie bestätigte gegenüber dem "Dhaka Tribune", dass der Mann außerdem weder lesen noch schreiben kann.

(rcp)

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