Islamische Kindergärten: Studie sieht Probleme

Bild: Hertel Sabine

Eine vom Integrationsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung islamischer Kindergärten in Wien zeige ein ernüchterndes Bild. Die Erziehung sei zu stark religiös geprägt. Wien will nun Detail wissen und konkrete Fälle prüfen. Es gibt auch Kritik, weil erste Ergebnisse zu früh veröffentlicht und zu wenige Personen befragt wurden.

Erstellt wurde die Untersuchung vom Institut für islamische Studien der Uni Wien unter der Leitung von Ednan Aslan. Dieser betonte gegenüber der "APA", dass man nur von einer Vor-Studie sprechen könne, weil es sich nur um Zwischenergebnisse handle. Um tatsächlich Rückschlüsse für Verbesserungen in den über 150 islamischen Kindergärten und 450 Kindergruppen ziehen zu können, würde es eine auf drei Jahre ausgelegte Studie benötigen.

"Nur fünf Kindergärten ließen sich auf ein Gespräch mit Aslan ein – andere hätten nicht geantwortet oder sich geweigert. 24 weitere Kindergärten und -gruppen hätte er anhand des Vereinsregisters sowie Flyern, Aussagen auf der Homepage, etc. analysiert", berichtet die "Presse". Laut dem Zeitungsbericht wurden nur neun Eltern und drei Ex-Mitarbeiterinnen befragt.

Differenzen bei Deutschkenntnissen

Dennoch präsentierte der Experte aus Untersuchungen des letzten halben Jahres erste Tendenzen. Unter anderem wurden Motive gesucht, wieso Eltern ihre Kinder in religiöse Einrichtungen geben. Hier handelt es sich um überwiegend "sehr konservative" Familien. Sie erhoffen sich laut Studie "islamische Vorbilder". Weiteres Motiv sei der Schutz der Kinder vor "dem moralischen Einfluss der Mehrheitsgesellschaft".

Kritisch wird angemerkt, dass unterschiedliche Kenntnisse der deutschen Sprache vorlägen. Zudem ist in keiner einzigen der untersuchten Kindereinrichtungen ein Mann engagiert. In einer Ausschreibung werden Frauen mit Kopftuch zur Bewerbung motiviert und ihre Vorbildrolle hervorgehoben. Teilweise ist die Muttersprache gar nicht erlaubt, aber trotzdem fast ausschließlich in Verwendung.

Kurz für verstärkte Kontrollen

Besonders kritisch wird von den Studienautoren der Bereich der religiösen Erziehung betrachtet, wo traditionelle Bilder dominierten. Kinder würden mit einem veralteten Sündenverständnis eingeschüchtert. Selbstständiges Denken und Handeln sei verpönt. Wird die Erwartungshaltung der Eltern in religiöser Sicht nicht erfüllt, werden die Kinder abgemeldet. Interreligiöser Dialog finde de facto nicht statt.

Schwer durchschaubar ist laut den Studienautoren, wer hinter den Betreibern der Einrichtungen steckt. Bei einzelnen könnte es Verbindungen zu radikalen Organisationen geben. Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) fordert daher, vor der Vergabe der Lizenzen für die Kindergärten eine besondere Untersuchung der Trägervereine vorzunehmen. Die Studienautoren raten jetzt der Stadt, auf externe Unterstützung zurückzugreifen. Kurz plädiert weiters für eine Erhebung der Anzahl islamischer Kindergärten mittels Register sowie für verstärkte unangekündigte Kontrollen.

Seite 2: Reaktion der Stadt: "In Wien kein Platz für Islamismus"

Wehsely: "In Wien kein Platz für Islamismus"

"Ich fordere Integrationsminister Kurz auf, die konkreten Fälle rasch an mich zu übermitteln, damit die zuständige Behörde tätig werden kann", reagierte Wiens Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) auf den Bericht. Selbstverständlich muss das Wiener Kindergartengesetz und der Wiener Bildungsplan eingehalten werden, sollte das nicht der Fall sein, werde es Konsequenzen bis hin zur Schließung geben.

"Ich gehe davon aus, dass die Kooperationsbereitschaft sowohl von Integrationsminister Kurz, als auch von Prof. Aslan heute eine größere sein wird als bisher. Beide wurden bereits 2014 schriftlich aufgefordert, ihre Äußerungen und Vorwürfe durch konkrete Nennung von Daten zu belegen, damit die zuständige Behörde unverzüglich den Vorfällen nachgehen kann. Weder der Integrationsminister, noch Prof. Aslan sind dieser Aufforderung nachgekommen", sagte Wehsely weiter.

Bereits vor der Bewilligung eines Antrages eines Kingergartenbetreibers gibt es eine Überprüfung beim Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, heißt es in der Aussendung der Stadt. Darüber hinaus überprüfe die MAG ELF "mindestens einmal jährlich Kindergärten und -gruppen, selbstverständlich auch unangemeldet. Bei Beschwerden oder Verdachtsmomente natürlich öfters".

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