Welt

Islamisten bedrohen Christen in Syrien

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:19

Radikale Islamisten wollen in Syrien nach einem Sturz von Präsident Bashar al-Assad einen Gottesstaat errichten. In einem Internetvideo verkündeten sie am Wochenende die Bildung einer Islamistenfront. Ihr Ziel sei eine islamische Gesellschaft, die nach den Regeln der Scharia regiert werde, nach islamischem Recht.

Die im November von zahlreichen Oppositionsgruppen gegründete "Nationale Koalition" erkennen sie - anders als die internationale Staatengemeinschaft - nicht als legitime Vertreterin des syrischen Volkes an. Im Syrienkonflikt gewinnen zunehmend auch Jihadisten an Einfluss. So hat sich im Norden des Landes wie auch im Großraum Damaskus die islamistische Al-Nusra-Front breitgemacht, die von der US-Regierung jüngst zur Terrororganisation erklärt wurde.

Aus der Unruheprovinz Hama meldete sich nun eine weitere Rebellengruppe zu Wort und drohte zwei christlichen Ortschaften in der Region. In der Videobotschaft waren sieben bewaffnete Männer zu sehen, die schwarze Stirnbänder mit dem islamischen Glaubensbekenntnis trugen. Aus deren Mitte verlas ein bärtiger Mann eine Warnung an die Christen. Sollten sie Assad-Kämpfer nicht ausliefern, würden sie angegriffen, betonte er. Die Organisation für Islamische Kooperation verurteilte die Drohungen umgehend.

Rebellen gegen Regierungstruppen  

Im Umland von Damaskus brachten Rebellen die Regierungstruppen weiter in Bedrängnis. Nach Oppositionsangaben eroberten sie am Sonntag einen Militärstützpunkt in der Nähe der Hauptstadt. Wie der Nachrichtensender Al-Jazeera unter Berufung auf die Freie Syrische Armee berichtete, hatte es zuvor heftige Kämpfe um das Lager unweit der Ortschaft Ras al-Ain gegeben.

Nach Angaben des Staatsfernsehens wurde am Wochenende auch einer ihrer Kameramänner von Bewaffneten vor seinem Haus erschossen. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Chemiewaffen werden gesichert  

Russland betonte derweil, dass die syrische Regierung die Kontrolle über die Chemiewaffen im Land habe. "Die syrischen Behörden haben diese Vorräte in ein oder zwei Zentren konzentriert. Vorher waren sie über das ganze Land verteilt", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag der Agentur Interfax zufolge. Die Führung tue alles, um die Waffen zu sichern. Auch die USA hätten zugestanden, dass Chemiewaffen in Händen der Regierungsgegner die größte Gefahr in Syrien seien, sagte Lawrow. Russland ist ein Partner Assads.

Das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete unter Berufung auf NATO-Kreise, französische und US-Eliteeinheiten bereiteten sich an der jordanisch-syrischen Grenze auf Kommandoeinsätze in Syrien vor. Die Soldaten sollen bei einem Zusammenbruch der Regierung Chemiewaffenlager vor Plünderungen durch islamistische Aufständische schützen.

Vermittlungsversuche waren gescheitert 

Am Sonntag traf der internationale Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi in Damaskus ein, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Bisherige Vermittlungsversuche des UN-Diplomaten waren gescheitert. Israel richtet sich indes nach den Worten des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu auf "weitreichende Veränderungen" im syrischen Nachbarland ein. "Wir beobachten die Entwicklungen in Syrien und arbeiten mit den USA und der internationalen Gemeinschaft zusammen", sagte der Regierungschef am Sonntag in Jerusalem.

Dem seit März 2011 andauernden Konflikt sind inzwischen mehr als 42.000 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Ein Schlechtwettereinbruch im Nahen Osten verschlechtert die Lage der syrischen Flüchtlinge weiter. Nach Schätzungen des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) sind zur Zeit etwa 500.000 Syrer ins benachbarte Ausland geflohen. Im Land selbst seien 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht.

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