Welt

Islamisten kündigen "Freitag der Wut" an

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:57

Die Lage in Ägypten könnte sich am Freitag erneut zuspitzen. Anhänger der radikalen Islamisten-Vereinigung Jihad in Ägypten haben einen "Freitag der Wut" angekündigt. Nach der Eskalation der Gewalt in Ägypten mit mehr als 500 Toten hat Vizekanzler Außenminister Michael Spindelegger (V) den ägyptischen Botschafter in Wien, Khaled Abdelrahman Abdellatif Shamaa, ins Außenministerium zitiert.

hat Vizekanzler Außenminister Michael Spindelegger (V) den ägyptischen Botschafter in Wien, Khaled Abdelrahman Abdellatif Shamaa, ins Außenministerium zitiert.

Bei dem Gespräch, das voraussichtlich am Freitag stattfinden soll, werde Spindelegger seine "Besorgnis über die anhaltende Gewalt" in dem nordafrikanischen Land zum Ausdruck bringen. Neben Österreich haben auch Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien die jeweiligen ägyptischen Vertreter geladen. In Frankreich bestellte Präsident Francois Hollande in einer ungewöhnlichen Geste persönlich den ägyptischen Botschafter zu sich.

Reisewarnung nicht geplant

Eine für ganz Ägypten erwäge man derzeit noch nicht, betonte Ministeriumssprecher Nikolaus Lutterotti mit der Begründung, dass die Sicherheitslage in den touristischen Gebieten rund um das Rote Meer nach wie vor stabil sei. Jedoch könne sich die Situation auch schnell ändern.

Der Dienstbetrieb an der österreichischen Botschaft in Kairo konnte am Donnerstag nicht aufgenommen werden, wie das Außenamt indes auf seiner Website mitteilte. Sobald sich die Lage stabilisiert hat, werde der Betrieb frühestens am Sonntag wieder aufgenommen.

Islamisten stürmen Regierungsgebäude

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo haben am Donnerstag Hunderte Anhänger der Muslimbruderschaft ein Regierungsgebäude gestürmt. Islamistische Demonstranten stürmten den Dienstsitz des Gouverneurs der zum Großraum Kairo gehörenden Provinz Gizeh und steckten ihn in Brand, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Im Eingangsbereich hätten sie Feuer gelegt, berichteten auch Augenzeugen.

In Kairo waren am Mittwoch bei Einsätzen von Sicherheitskräften gegen Unterstützer des von der Armee gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi mehr als 500 Menschen getötet worden. Die Muslimbrüder sprachen sogar von bis zu 2000 Toten. Eine Entspannung der Lage ist vorerst nicht in Sicht.

Massenschlägerei mit vier Toten und 45 Verletzten

Am Donnerstag wurden in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria am Donnerstag vier Menschen getötet, als sich Anrainer einem Protestmarsch der islamistischen Muslimbrüder entgegenstellten. Es entbrannte eine Massenschlägerei. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gelang es der Polizei zunächst nicht, die Gewalt zwischen den Demonstranten und den Anrainern zu beenden. Den Angaben zufolge wurden 45 Menschen verletzt.

Die Anrainer sollen sich in den Weg gestellt haben, als sich die Demonstranten auf eine koptische Kirche zubewegten. Sie hätten gerufen: "Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns für unsere koptischen Brüder" und "Wir sind alle Ägypter - Millionen gegen die Muslimbrüder". In mehreren Provinzen hatten Islamisten am Mittwoch und Donnerstag Kirchen und christliche Einrichtungen verwüstet.

"Freitag der Wut" steht bevor

Die Anhänger der radikalen Islamisten-Vereinigung Jihad in Ägypten wollen am morgigen Freitag gemeinsam mit den Muslimbrüdern gegen die neue Übergangsregierung protestieren. Geplant seien an seien an diesem "Freitag der Wut" zwar friedliche Kundgebungen, aber es könne niemand garantieren, dass es dabei nicht zu Gewalt und Brandanschlägen kommt, sagte der Generalsekretär der von der Vereinigung gegründeten Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra.

Obama sagte alle Militärmanöver mit Ägypten ab

Angesichts der Gewalt in Ägypten hat US-Präsident Barack Obama alle geplanten Militärmanöver mit den ägyptischen Streitkräften abgesagt. Das Trainingsmanöver "Bright Star" mit Zehntausenden amerikanischen und ägyptischen Soldaten sowie Streitkräften anderer Länder findet normalerweise alle zwei Jahre statt.

Ägypten sei auf einem "gefährlichen Weg", sagte Obama am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Angesichts der Geschehnisse könnten die Vereinigten Staaten ihre Beziehung mit dem Land derzeit nicht wie gewohnt weiterführen, sagte Obama am Donnerstag. Er habe seinen Nationalen Sicherheitsrat aufgefordert, zu ermitteln, ob weitere Konsequenzen notwendig seien. Ob dazu auch ein Einfrieren der milliardenschweren Militärhilfe gehört, sprach Obama nicht an. Die USA wollten weiterhin ein enger Partner Ägyptens bleiben, sagte er.

UNO sieht Lage mit Besorgnis

UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay fordert eine Untersuchung des Vorgehens der Sicherheitskräfte. "Die Zahl der getöteten oder verletzten Personen deutet selbst auf Basis der Regierungsangaben auf einen übermäßigen, sogar extremen Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten hin", erklärte Pillay am Donnerstag in Genf.

Das Verhalten der Sicherheitskräfte müsse einer unabhängigen und glaubwürdigen Überprüfung unterzogen werden. Jeder, der eines Verbrechens schuldig befunden werde, müsse zur Verantwortung gezogen werden, sagte Pillay. Gleichzeitig nannte Pillay die Berichte über Angriffe von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi auf öffentliche Gebäude und Kirchen "sehr besorgniserregend". Auch die Verantwortlichen dieser Verbrechen müssten vor Gericht gestellt werden.

APA/red

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