Sport-Vorstand Peter Stöger hat zugegeben, dass ihn der plötzliche Abschied des 42-Jährigen, dem er noch den Rücken stärkte, überrascht hatte. Nun muss Stöger einen neuen Coach aus dem Hut zaubern. Der Fahrplan ist klar: Bis zum Trainingsstart am 10. August soll der Betreuerstab stehen. "Heute" nimmt einige Kandidaten genauer unter die Lupe.
Mit Valerien Ismael ist ein echter Erfolgstrainer auf dem Markt. Der 44-jährige Franzose war dafür verantwortlich, dass der LASK im Herbst nicht nur die Bundesliga, sondern auch die Europa League aufgemischt hat. Dank der kompromisslosen Spielweise durften die Stahlstädter bis zur Corona-Pause sogar vom Titel träumen.
Danach war alles allerdings den Bach runtergegangen. Ismael hat durch die von ihm angeregten verbotenen Mannschaftstrainings viel Sympathie verloren. Auch sportlich war der Faden gerissen. Eine Spielerrevolte hatte den als schwierigen Charakter bekannten Franzosen zu Fall gebracht.
Fraglich auch, ob Ismael aufgrund des engen finanziellen Budgets der Veilchen einen Kader nach seinen Wünschen zusammengestellt bekommen würde.
Andreas Herzog bei der Wiener Austria? Das geht doch nicht. Ein Erz-Rapidler auf dem violetten Trainersessel scheint undenkbar. Allerdings nur auf den ersten Blick. Herzog hat zwar noch nie eine Klub-Mannschaft betreut, dafür als österreichischer U21-Trainer, Assistent von Jürgen Klinsmann in den USA und Israelischer Teamchef Erfahrungen gesammelt, die kaum ein österreichischer Trainer aufbieten kann.
Und auch sportlich macht ein Engagement Sinn! Herzog, selbst ein Edel-Techniker, liebt den dominanten Ballbesitz-Fußball, kann dank seiner Arbeit im Nachwuchs-Bereich gut mit jungen Spielern. Genau diese Art von Neuausrichtung, die Stöger anpeilt. Darüber hinaus verbindet die beiden einstigen ÖFB-Teamspieler eine langjährige Freundschaft. Mit dem Engagement in Israel hat Herzog gezeigt, dass er unerwartete Herausforderungen annimmt. Wieso nicht auch bei der Austria?
Ein Stolperstein könnte womöglich das Gehalt werden. Und, dass Herzog nach Größerem strebt. Ziel war stets die deutsche Bundesliga.
Die Qualitäten von Markus Schopp hat die Austria am eigenen Leib erfahren müssen, setzten sich doch die vom 46-Jährigen betreuten Hartberger im Play-off um das Europacup-Ticket nach einem 3:2-Auswärtssieg und einem 0:0 im Rückspiel durch. Keine Eintagsfliege. Schopp führte den Underdog auf den fünften Tabellenplatz, zeigte, dass er aus bescheidenen Mitteln viel machen kann. Das Zuckerl ist die Europa League. Die gibt es aber nur mit Hartberg. Ein Verbleib gilt als wahrscheinlich. Ob da die Austria eine Chance hätte?
Mit Harald Suchard würde die Austria wohl die "einfachste" Lösung wählen. Der Young-Violets-Coach hat in der 2. Liga aufgezeigt. Er führte die abstiegsgefährdeten Jung-Veilchen ins oberste Tabellen-Drittel, ließ gefälligen Offensiv-Fußball spielen. Der 43-Jährige kennt nicht nur den Verein, sondern auch die "Jungen Wilden", die er im Herbst noch betreut hatte. Gegen ein Engagement könnte seine mangelnde Erfahrung als Coach einer Kampfmannschaft sprechen.
Mit Roman Mählich könnte ein alter Bekannter an den Verteilerkreis zurückkehren. Von 2015 bis 2017 coachte der mittlerweile 48-Jährige im violetten Nachwuchs. Mählich kennt den Verein und die Ansprüche. Bei Sturm Graz und Austria Lustenau war seine Arbeit aber nicht mit Erfolg gekrönt.
Ein Außenseiter-Kandidat auf den Austria-Trainerjob könnte Manfred Schmid sein. Immerhin war der 49-Jährige beim letzten violetten Meistertitel Stögers Co-Trainer. Schon 2014 war der aktuell beim 1. FC Köln für Leihspieler zuständige Schmid in Verhandlungen mit den Veilchen. Ihm war damals Gerald Baumgartner vorgezogen worden. Stöger kennt jedenfalls seine Qualitäten. Nachteil: Er ist schon jahrelang weg vom österreichischen Fußball.
Die Alternative, die im violetten Fan-Anhang wohl die größte Zustimmung finden würde, wäre ein Trainer-Comeback Stögers. Immerhin ist der mittlerweile 54-Jährige der letzte violette Meistermacher. Doch genau darin liegt auch die Problematik. Die Fallhöhe für den Sportvorstand ist besonders hoch. Außerdem würde es dann wieder einen sportlich Verantwortlichen brauchen.