Jeden Tag mehr Opfer, internationale Kritik: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist das herzlich egal. Er hält an den massiven Luftangriffen auf den Gazastreifen fest. Der Einsatz werde fortgesetzt, bis von dort keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen würden und wieder Ruhe herrsche, sagte der Regierungschef am Freitag in Tel Aviv. Mittlerweile sind mehr als hundert Palästinenser getötet worden.
und internationale Kritik: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist das herzlich egal. Er hält an den massiven Luftangriffen auf den Gazastreifen fest. Der Einsatz werde fortgesetzt, bis von dort keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen würden und wieder Ruhe herrsche, sagte der Regierungschef am Freitag in Tel Aviv. Mittlerweile sind mehr als hundert Palästinenser getötet worden.
Am Freitag ging den vierten Tag in Folge der Luftangriffe auf den Gazastreifen weiter, um die von dort aus unvermindert anhaltenden Raketenangriffe der palästinensischen Extremisten zu stoppen. Mindestens acht Menschen wurden nach palästinensischen Angaben getötet. Auch in der Nacht auf Samstag gingen die Angriffe weiter, dabei wurden mindestens 16 weitere Palästinenser getötet. Meldungen zuvfolge wurde am frühen Samstagmorgen unter anderem der Sitz einer Wohlfahrtsorganisation für Behinderte getroffen, dabei sollen zwei Menschen ums Leben gekommen sein.
Damit erhöhte sich die Zahl der seit dem Beginn der israelischen Offensive "Schutzrand" am Dienstagmorgen getöteten Palästinenser auf über hundert, mindestens 23 davon sind Kinder. Fast 700 weitere Menschen wurden verletzt.
Einige verletzte Israelis
Durch den fortdauernden Raketenbeschuss palästinensischer Extremisten wurden am Freitag mehrere Israelis verletzt, aber niemand getötet. Erstmals seit Beginn des jüngsten Konflikts war am Freitag auch ein Geschoß aus dem Libanon im Norden Israels eingeschlagen, hatte allerdings keine Schäden angerichtet.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erteilte Rufen der USA, der EU, der UNO und der Arabischen Liga nach einer Waffenruhe am Freitag eine klare Abfuhr. "Kein internationaler Druck" könne Israel daran hindern, "die Terroristen zu bekämpfen", sagte er vor Journalisten. Die Armee mobilisierte inzwischen 33.000 Reservisten für eine etwaige Bodenoffensive.
Beide Seite schalten auf stur
Auch die radikalislamische Hamas lehnt Gespräche über eine Feuerpause bisher kategorisch ab. Sie und andere militante Organisationen feuerten seit Dienstag 520 Mörsergranaten und Raketen auf israelische Ziele. 140 weitere Geschoße wurden von der israelischen Luftabwehr abgefangen, wie das Militär mitteilte.
Nach ergebnislosen Sitzungen des UN-Sicherheitsrates beantragte Kuwait am Freitagabend eine Dringlichkeitssitzung der Außenminister der Arabischen Liga. Das Treffen werde vermutlich am Montag stattfinden, sagte ein Vertreter der Liga. Die USA hatten am Freitag angeboten, ihre Verbindungen in Nahost für die Vermittlung einer Waffenruhe zu nutzen. Ägypten hatte kurz zuvor seine Bemühungen wegen der "Sturheit" der Konfliktparteien für gescheitert erklärt.
UN-Kommissarin: "zutiefst verstörende Berichte"
UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay erklärte, sie habe "ernsthafte Zweifel", ob die israelischen Angriffe im Einklang mit dem Völkerrecht stünden. Sie verwies auf "zutiefst verstörende Berichte", wonach viele zivile Opfer, darunter Kinder, das Ergebnis von Angriffen auf Wohnhäuser gewesen seien.
Flugverkehr für wenige Minuten unterbrochen
Über Tel Aviv wurden am Freitag drei Raketen vom Abwehrsystem "Iron Dome" ("Eiserne Kuppel") abgefangen. Die Hamas bekannte sich zu der Attacke und erklärte, am Stadtrand gefeuert zu haben. Der Flugverkehr wurde für wenige Minuten unterbrochen. Die ägyptischen Behörden beschlagnahmten nach eigenen Angaben 20 durch einen illegalen Tunnel aus dem Gazastreifen auf die Sinai-Halbinsel geschmuggelte Raketen. Sie schlossen zudem den Grenzübergang Rafah.
500 Geschoße aus Gaza
Trotz der Offensive gelang es Israel bisher nicht, den Beschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen. Aus dem Gebiet wurden in den vergangenen Tagen mehr als 500 Geschoße abgefeuert.
Luftangriffe werden ausgeweitet, Bodenoffensive ist möglich
Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Donnerstagabend beschlossen, die Luftangriffe auf den Gazastreifen auszuweiten. Netanyahu erwägt auch einen zeitlich befristeten Einmarsch von Bodentruppen, um die Angriffe aus dem Gazastreifen zu unterbinden. An der Grenze wurden bereits massive Truppenverbände zusammengezogen. "Wir schließen keine Option aus", sagte Netanyahu. Bisher bombardiert Israel den Gazastreifen als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss aus der Luft und von See aus. Östlich von Rafah an der Grenze zu Ägypten sollen israelische Panzer ebenfalls das Feuer eröffnet haben.
Hamas bunkert Waffen in Schulen
Israel hat wiederholt beklagt, dass die Hamas die Bewohner des Gazastreifens als menschliche Schutzschilde missbrauche und Waffenlager sowie Abschussvorrichtungen in dicht besiedelten Gebieten oder sogar in Schulen und Wohnhäusern unterhält.
Israel kündigt Angriffe per Telefon an
Um zivile Opfer zu vermeiden, kündigt die israelische Armee ihre Angriffe gewöhnlich telefonisch an, um den Bewohnern Zeit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben der UN-Hilfsorganisation für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) wurden schätzungsweise 300.000 der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Diese Taktik habe die Armee bereits im Gaza-Krieg 2012 angewandt. Jedoch kämen viele Zivilisten dieser Aufforderung diesmal nicht nach. Die Organisation warnte vor Engpässen bei der medizinischen Versorgung.
Mahmoud Abbas bitte Vereinte Nationen um Hilfe
Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas forderte ein Eingreifen der Vereinten Nationen. Der Sicherheitsrat solle rasch und deutlich "diese israelische Aggression" verurteilen und umgehend eine Verpflichtung zu einer gegenseitigen Waffenruhe auferlegen. Der vom Westen unterstützte Abbas agiert im Westjordanland, während die als terroristische Organisation eingestufte Hamas den Gazastreifen kontrolliert. Beide Gruppen haben kürzlich eine Einheitsregierung gebildet.
APA/red.