Hai-Invasion vor Israels Küste

Bereits 2017 tummelte sich ein riesiger Hai-Schwarm vor der israelischen Küste. (Video: Tamedia/Reuters)
Bereits 2017 tummelte sich ein riesiger Hai-Schwarm vor der israelischen Küste. (Video: Tamedia/Reuters)
Wie schon 2017 wurden erneut Dutzende Haie vor der Küste Israels gesichtet. Angezogen werden sie von einem unnatürlichen Phänomen.
Vor der Küste Israels sind in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Haie gesichtet worden. Sie sammeln sich im flachen Wasser vor dem Küstenort Chadera, rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

"Hier tummeln sich manchmal 50 bis 100 Haie", sagte Ejal Bigal von der Universität Haifa der Deutschen Presse-Agentur. Eine derart große Population an Sandbank- und Schwarzhaien sehe man selten.

Wellness für Haie

Meeresforscher Bigal untersucht seit vier Jahren, was die Tiere ins östliche Mittelmeer treibt. In den letzten 100 Jahren seien 95 Prozent der Mittelmeer-Haie ausgerottet worden. Da sie flaches Wasser nahe der Küste bevorzugten, seien sie schneller von Fischern gefangen worden, erzählt er.

CommentCreated with Sketch.3 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Zudem würden sich Sandbankhaie (Carcharhinus plumbeus) spät fortpflanzen – oft erst nach 20 Jahren. Umso erstaunlicher sei es, so viele Exemplare der gefährdeten Art an einem Ort zu sehen.

Das Team um Bigal sieht das nahe gelegene Kraftwerk als Grund für die Anwesenheit der vielen Haie. Es leitet warmes Wasser ins Meer und genau dort sammeln sich die Tiere. "Mitten im Jacuzzi", scherzt Bigal. Kürzlich fingen die Wissenschaftler an, neben Blut- und Gewebeproben auch Ultraschallbilder von den Tieren zu sammeln.

Möglicherweise locke auch der Fischreichtum die Jäger in die Gegend. Fest steht, dass jedes Jahr andere Haie kommen. Das weiß Bigal, da er bereits 41 Tiere mit Sensoren versehen hat, um ihre Wege zu verfolgen. Zwei Sandbankhaie seien bereits vor zwei Jahren in Chadera gewesen, die übrigen seien Neulinge.

Gute und schlechte Seiten

Für Bigal ist Chadera ein einzigartiger Ort – im guten wie im schlechten Sinn: Zwar sind die Bedingungen durch das Kraftwerk künstlich, doch das flache Wasser sei ein "Labor mitten in der Natur". Man müsse die Tiere nicht aus dem Wasser ziehen, um sie zu untersuchen. Allerdings fragt er sich, ob die Nähe zum Menschen ideal sei. Taucher tummeln sich gern zwischen den Tieren, vom Strand aus sind die Haie mit bloßem Auge erkennbar.

"Man wird ‹Shark Watching› nicht verhindern können", erklärt Bigal. Er sieht darin eine Chance, Menschen aufzuklären. Schließlich seien Haie enorm wichtig für das Ökosystem, weil sie kranke Meerestiere fressen und Populationen anderer Spezies kontrollieren.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie die Haie noch bis Mai beobachten können. Dann wandern die Tiere erfahrungsgemäß wieder in kühlere Gewässer. (fee/sda)

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