Trotz Waffenruhe mit dem Libanon hat das israelische Heer am Samstag die Bewohner von neun Dörfern im Süden des Libanon dazu aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Grund dafür sind geplante Militärangriffe. "Angesichts des Verstoßes der terroristischen Hisbollah gegen die Waffenruhe-Vereinbarung" sei das israelische Heer gezwungen, "kraftvoll" gegen die Hisbollah vorzugehen, erklärte der arabischsprachige israelische Militärsprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X.
Er nannte die betroffenen neun Dörfer und riet den Bewohnern dringend, ihre Häuser "umgehend" zu verlassen und "nicht weniger als 1000 Meter" Abstand zu den Dörfern und Städten zu halten.
Schon davor hatte das israelische Heer bekanntgegeben, dass es in den vergangenen 24 Stunden mehr als 85 Einrichtungen der Hisbollah "aus der Luft und vom Boden aus" angegriffen hat. Darunter waren Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Gebäude, die von der Hisbollah genutzt wurden, um "terroristische Aktivitäten gegen israelische Zivilisten und Soldaten voranzutreiben".
Seit 17. April gilt eigentlich eine Feuerpause zwischen Israel und dem Libanon. Trotzdem gehen die Angriffe von Israel und der Hisbollah weiter. Beide Seiten werfen einander vor, die Waffenruhe zu brechen. Gleichzeitig laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte Friedensgespräche zwischen dem Libanon und Israel.
Die Hisbollah, die offen Israels Vernichtung fordert, lehnt sowohl die Waffenruhe als auch direkte Gespräche zwischen den beiden Nachbarländern ab. Die schiitische Miliz hat seit Beginn der Feuerpause nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf israelische Soldaten im Süden des Libanon und auf Nordisrael durchgeführt.
Der Libanon wurde Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen. Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die von Teheran unterstützte Hisbollah Raketen auf Israel. Israel reagierte mit massiven Angriffen auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.