Ist Captain Tsubasa endlich die Alternative zu FIFA?

Eine neue Fußball-Ära hat begonnen. Endlich kann man mit Tsubasa Japan zum Titel führen. Künstlich erzeugter Hype oder ein wirklich gutes Game?

Wenn sich die Kinder der 90er am Fußballplatz getroffen haben, dann gab es in der Gruppe immer einen Spieler, der sich die Ärmel aufgekrempelt hat. Der Tormann kam stets mit einer Kappe zum Treffpunkt. Und alle haben sich die Haare nach oben gegelt und zum Tigerschuss angesetzt. Grund dafür: Kojiro Hyuga, Genzo Wakabayashi und Tsubasa Ozora!

Während ein paar Leser jetzt womöglich schon abdrehen, fühlen sich einige andere jetzt direkt in die Zeit zurückversetzt, als man sich nach der Schule direkt vor den Fernseher gesetzt hat und RTL2 eingeschalten hat. Die Zeit von Pokemon, Dragonball und eben den Superkickers. 

Will Tsubasa überhaupt mithalten?

Anfang des Jahres wurde wie aus dem Nichts ein Trailer hochgeladen, der sich innerhalb von wenigen Augenblicken wie ein Lauffeuer verbreitete: "Captain Tsubasa: Rise of New Champions". Dabei handelte es sich nicht um eine Ankündigung einer neuen Staffel, sondern um die Vorschau eines Videospiels. Tamsoft brachte die Geschichte der Fußball-Helden unserer Kindheit endlich auf die Controller. Schnell wurde von vielen Zockern der Vergleich zu FIFA gezogen. Und gleichzeitig wurde die Hoffnung gehegt, dass endlich eine Alternative zum EA-Giganten kommt. 

Jedoch wird eigentlich schon kurz nach dem Starten des Spiels klar: "Captain Tsubasa" will sich gar nicht mit FIFA vergleichen. Wer sich an die Serie erinnert weiß, dass die Folgen von endloslangen Dialogen gelebt haben. Auch während der Spiele standen sich die Stars oft gegenüber und führten einfach Gespräche. Auf der Playstation sieht die Sache nicht anders aus.

Viel Gerede um Nichts - so wie wir es lieben!

Bevor wir überhaupt zum Menü kommen, landen wir in einem Prolog. Ein japanischer Erzähler erinnert uns an die Legende von Tsubasa Ozora - natürlich mit deutschen Untertiteln. Dann geht es auch schon los. Wir hören Fangesänge und sehen aus First-Person-Sicht, wie wir uns die Schuhe binden, ehe wir vor uns die Nummer 10 erblicken. Eingefleischte Fans wissen schon, dass es sich dabei um keinen geringeren, als Tsubasa selbst handelt. Der Nankatsu-Spieler dreht sich dann auch zu uns um und fragt, ob wir den nervös sind. Dann erscheinen zwei Antwortmöglichkeiten und wir können uns aussuchen, wie wir auf Tsubasas Frage reagieren. 

Nur wenige Augenblicke später stehen wir bereits mit der japanischen Nationalmannschaft am Spielfeld und blicken auf unsere deutschen Gegner. Bevor es aber zum Anpfiff kommt, sinnieren Tsubasa, seine Kompanen und Personen aus dem Publikum noch ein wenig herum. Also genau so, wie wir es auch aus dem echten Anime kennen. 

Erfolglose Schüsse

Im Spiel selbst wird dann der Unterschied zu FIFA noch deutlicher. Klar geht es hier um ein Fußball-Match, aber eine klassische Fußball-Simulation ist "Captain Tsubasa" nicht. Das Spiel erinnert eher an "Super Smash Bros" oder "Mortal Kombat". Denn alle Figuren haben über ihren Köpfen einen Balken, den sogenannten "Willen". Der kann zu- oder wieder abnehmen. Je mehr er gefüllt ist, umso stärker ist der Charakter. Am relevantesten wird die Anzeige aber bei den Torhütern. Und das ist Fluch und Segen zugleich. Denn diese lassen sich nur bezwingen, wenn ihr Willen völlig gebrochen ist.

Das bedeutet konkret: Wir können das schönste Dribbling ansetzen, einen Superschuss abfeuern und das alles mit dem Wissen, dass der Torwart den Ball halten wird. Denn sein Willen ist noch voll. Erst nach drei, vier Angriffen weiß man, dass man die Kugel ins Netz katapultieren wird - vielleicht sogar mitsamt Tormann, der uns kurz zuvor unseren Willen beinahe gebrochen hat.

Noch schlimmer wird es beim Story-Modus, wo es bereits festeht, dass wir Gegentore kassieren werden und wir nichts dagegen unternehmen können. Da wissen wir dann schon: Jetzt dürfen wir fünf Mal anrennen, um den Ausgleich zu erzielen. Und man hat nur mit dem Spezial-Schuss überhaupt die Chance auf ein Tor. Ein Match, in dem man sich die Möglichkeiten tatsächlich herausspielen kann, um zu einem Treffer zu gelangen, wäre da echt netter gewesen.

Story egal? Dann auf ins Getümmel!

Aber wie gesagt: Darum geht es in "Captain Tsubasa" ja fast gar nicht. In dem Story-Modus spielt man die bereits bekannte Geschichte von Tsubasa Oozora nacht. Hat man die erledigt, kann man sich noch an die "persönliche" Geschichte wagen. Wir können uns unseren eigenen Spieler erstellen und mit ihm gemeinsam die lange Reise zur Nationalmannschaft antreten. Und da geht es eben viel mehr um die Story an sich, als um die Matches zwischendurch. Diese dienen fast schon eher als Mittel zum Zweck.

Man kann aber auf die Geschichte verzichten und direkt ans Eingemachte gehen. Entweder zockt man zu Hause gegen seine Freunde, oder erstellt sich Online sein eigenes Team. Mit selbsterstellten Trikots, Wappen und alles drum und dran. Hier gibt es auch keine Zwischensequenzen, hier geht es echt nur um die zweitschönste Sache der Welt - wenn auch ein wenig anders. Denn die Sache mit dem Willen und den Tiger-Schüssen bleibt ja.

Exzellent für Nebenbei

Dennoch handelt es sich bei "Captain Tsubasa" um einen überaus qualitativ hochwertigen Zeitvertreib. Flashbacks sind garantiert und die Sequenzen sind alles andere als langweilig. Aber höchstwahrscheinlich auch nur dann, wenn man sich damals auf dem Spielfeld vor den Schüssen die Ärmel hochgekrempelt oder die Kappe gerichtet hat. Für Fans der Superkickers ist das Spiel definitiv ein Muss. Ein FIFA-Ersatz ist "Captain Tsubasa" aber mit Sicherheit nicht.

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