Ist Trump vor seinem Abgang im "Hinrichtungsrausch"?

Die Regierung des abgewählten US-Präsidenten will bis zu seinem Abgang ausstehende Hinrichtungen vollstrecken.
Die Regierung des abgewählten US-Präsidenten will bis zu seinem Abgang ausstehende Hinrichtungen vollstrecken.Evan Vucci / AP / picturedesk.com
Die Regierung des abgewählten US-Präsidenten will bis zu seinem Abgang ausstehende Hinrichtungen vollstrecken. 

Brandon Bernard (40) ist im Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Eine Jury hatte ihn 1999 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Als 18-jähriges Gangmitglied hatte Bernard zusammen mit vier anderen Teenagern ein Paar entführt und ausgeraubt. Der älteste der Gang erschoss Todd und Stacie Bagley in deren Wagen, Bernard ließ das Fahrzeug anschließend in Flammen aufgehen.

Kurz vor seiner Hinrichtung wandte sich Bernard während dreier Minuten an die Angehörigen der Bagleys: "Es tut mir leid. Das sind die einzigen Worte, die voll einfangen, wie ich mich jetzt fühle und wie ich mich an jenem Tag gefühlt habe", sagte er gemäß US-Medien. Die Hinrichtung war um zwei Stunden verzögert worden, weil Bernards Anwälte beim Obersten Gerichtshof vergeblich einen Abbruch beantragt hatten.

Hinrichtungen bis zuletzt

Erfolglos waren auch die vielen Prominenten geblieben, die sich für den am Donnerstag um 21.27 Uhr Ortszeit für tot erklärten Bernard stark gemacht hatten (siehe Box). Auch, dass noch lebende Jurymitglieder des Prozesses von 1999 ihr Todesurteil gegen Bernard mittlerweile revidiert hatten, dass auch Anwälte, Ankläger, Polizeichefs und Sheriffs aus dem ganzen Land ans Weiße Haus appelliert hatten, das Todesurteil fallen zu lassen – all das hatte US-Präsident Trump nicht beeindruckt.

Er und sein Justizminister William Barr hatten vor wenigen Monaten das Moratorium gegen die Vollstreckung der Todesstrafe nach Bundesrecht aufgehoben. Todesstrafen werden damit nach nationalem und nicht bundesstaatlichem Recht vollstreckt – das erste Mal wieder seit fast 20 Jahren. Auf dieser Grundlage wurden seit Juli neun Häftlinge hingerichtet.

Das gab es seit 130 Jahren nicht mehr

Trump, ein Befürworter der Todesstrafe, hat nicht vor, die tödliche Hinrichtungskadenz vor seinem Abtreten zu unterbrechen. Bis zum 20. Januar sollen nach Brandon Bernard fünf weitere Verurteilte exekutiert werden – alles Afroamerikaner. Die nächste Hinrichtung ist bereits für diesen Freitag geplant.

Das ist äußerst ungewöhnlich. Normalerweise – das heißt, seit 130 Jahren nicht mehr – lassen Präsidenten in der "Lame-Duck-Phase" – der Zeit zwischen dem Machtwechsel von zwei Präsidenten – keine Todesstrafen mehr vollstrecken. Kommt hinzu: Erst Ende November hatte die Trump-Regierung eine Vorschrift für die Ausführung der Todesstrafe auf Bundesebene geändert. Demnach werden künftig neben dem Tod durch die Giftspritze auch andere Hinrichtungsmethoden wie Erschießungen, der elektrische Stuhl oder tödliches Gas zugelassen. Angewendet werden sie ab dem 24. Dezember. 

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