Premierministerin mit Kopftuch erobert Herzen

Mitgefühl und Entschlossenheit: Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern zeigt der Welt, wie gute Führung aussieht.
Sorgenvoll hochgezogene Augenbrauen, die Lippen verschlossen, die Haare bedeckt von einem schwarzen Tuch mit goldenem Rand und ein Blick, der den Schmerz der ganzen Nation spiegelt: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern (38) erhält für ihre Auftritte nach dem rechtsextremen Terrorangriff in Christchurch, bei dem 50 Menschen ums Leben gekommen sind, in der internationalen Presse und in den sozialen Medien großes Lob.



Das Foto (oben), das Jacinda Ardern mit Reflektionen im Gesicht bei einem Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft in Christchurch zeigt, ging viral, weil es das Mitgefühl der Premierministerin perfekt abbildet, wie der Fotograf Kirk Hargreaves zu "Stuff.co" sagte.

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Mit Kopftuch und Augenringen vor die Kameras

Seit die ersten Meldungen über die Schüsse eingetroffen sind, ist die Premierministerin ständig präsent. Mit tiefen Ringen unter den Augen steht sie täglich Rede und Antwort. Gleich am ersten Tag kündigte sie härtere Waffengesetze an.

Auch bei ihrem Besuch in Christchurch machte die sozialdemokratische Premierministerin eine gute Figur. Dass sie bei ihren Auftritten einen Hidschab trug, ist ein klares Symbol: Ihr seid nicht allein, ihr seid ein Teil von uns, so ihre Botschaft an die etwa 50.000 Muslime im Land. "Neuseeland ist in Trauer vereint. Wir sind in Trauer vereint", sagte sie vor laufenden Kameras.

Bei ihren Treffen mit den Angehörigen der Terroropfer nahm sie immer wieder muslimische Frauen in den Arm. Ardern nahm sich aber auch die Zeit, ohne Kameras mit Hinterbliebenen zu reden. Ihr Lebensgefährte Clarke Gayford, ein TV-Moderator, der sich um die Erziehung von Tochter Neve Te Aroha kümmert, war auch dabei. Die muslimische Gemeinde bedankte sich für die Unterstützung. Einer der Männer, Habib Ullah, sagte: "Das sind kleine Gesten, die für uns sehr viel bedeuten."

Schärfere Waffengesetze – schon in zehn Tagen

Die Premierministerin gehörte auch zu den Leuten, denen der mutmaßliche Täter, ein 28 Jahre alter Rassist aus Australien namens Brenton Tarrant, per E-Mail seine rechtsextremistische Kampfschrift schickte. Das Mail ging auf einer der Adressen in Arderns Büro ein, neun Minuten vor Beginn der Tat – zu spät, um noch etwas verhindern zu können.

Am Montag brachte Ardern ihr Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Dabei ging es insbesondere um die geplante Verschärfung von Neuseelands Waffengesetzen.

Bislang hatte der nationalpopulistische Koalitionspartner New Zealand First (NZF), auf den Ardern zusammen mit den Grünen angewiesen ist, solche Überlegungen blockiert. Vize-Regierungschef Winston Peters sagt nun jedoch: "Unsere Welt hat sich für immer geändert. Deshalb werden sich auch unsere Gesetze ändern."

Bei allem Entsetzen will sich Neuseelands Regierung jetzt aber erst einmal zehn Tage Zeit lassen, um die Details zu klären. Ardern: "Wir wollen uns die Zeit lassen, das richtig zu machen." (zos/sda)

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