Jeder Facebook-User ist 115 US-Dollar wert

Bild: DAPD

104 Milliarden US-Dollar ist Facebook an der Börse wert. Das Unternehmen nahm über Aktien zum Start 16 Milliarden Dollar ein (12,3 Milliarden Euro) ein. Umgelegt auf die 900 Millionen aktiven Nutzer des sozialen Netzwerkes, ist jeder einzelne Facebook-User 115 Dollar (90,7 Euro) wert.

Allerdings verdiente der IT-Konzern pro "Freund" lediglich gut einen Dollar - bei einem Gesamtgewinn von einer Milliarde Dollar im Jahr 2011. Damit ist jeder User mehr als hundertmal so viel wert wie jährlich mit ihm verdient wird. Pro Stück gingen die Anteilsscheine für 38 Dollar an die Investoren. Das lag am oberen Ende der Preisspanne von 34 bis 38 Dollar.

Am Freitag wird die Aktie zum ersten Mal an der US-Börse Nasdaq gehandelt. Die Gesamtbewertung von Facebook liegt bei rund 104 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Google hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2004 Aktien für 1,7 Milliarden Dollar verkauft und kam auf eine Gesamtbewertung von 23 Milliarden Dollar.

Mehr wert als zwei Computer-Riesen

Facebook ist mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen. Mit der Börsenkapitalisierung von rund 104 Milliarden Dollar reiht sich Facebook an der 38. Stelle der weltweit wertvollsten Unternehmen ein. Am meisten wert ist Apple mit 509 Milliarden Dollar, Konkurrent Microsoft ist mit 251 Milliarden Dollar nur halb so viel wert. Google hat an der Börse aktuell einen Marktwert von 204 Milliarden Dollar. Im Vergleich: Österreichs teuerstes Unternehmen, der Mineralölkonzern OMV, weist eine Börsenkapitalisierung von neun Milliarden Dollar auf.

Allerdings gibt es Zweifel, ob die hohe Bewertung an der Börse dem tatsächlichen Wert von Facebook entspricht. Kritiker bemängeln, dass Facebook noch kein überzeugendes Geschäftsmodell vorgelegt habe. Facebook-Günder Mark Zuckerberg selbst hat 30 Millionen seiner eigenen Anteilsscheine verkauft und damit gut 1,1 Milliarden Dollar eingenommen.

Facebook-Boss will mit Börse-Einnahmen Steuern bezahlen

Mit dem Geld will er fällige Steuern begleichen. Er besitzt aber noch einen Anteil im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar und kontrolliert 57 Prozent aller Stimmrechte. Damit wird Zuckerberg auch künftig die Geschicke von Facebook bestimmen. Der Börsengang ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Mark Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Studienkollegen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Mittlerweile sind es gut 900 Millionen. Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren.

Eigentlich schwacher Umsatz und Gewinn

Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lagen der Umsatz bei 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei einer Milliarde Dollar. Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, dass die Megamilliarden-Wette aufgeht.

So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil die Nutzer dadurch kaum erreicht würden. Überdies nutzen immer mehr Nutzer Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

könnte an größte Börsengänge der Geschichte anschließen

Dennoch war der Ansturm der Investoren enorm. Facebook hatte seinen Börsengang drei Mal aufgestockt. Zunächst sollten die Einnahmen nur bei fünf Milliarden Dollar und damit bei weniger als einem Drittel der jetzigen Summe liegen. Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der Banken - könnte Facebook sogar bis zu 18,4 Milliarden Dollar einsammeln.

Damit würde das Zuckerberg-Unternehmen an die beiden größten Börsengänge der US-Geschichte anschließen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte 2008 inklusive Mehrzuteilung 19,7 Milliarden Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 18,1 Milliarden Dollar.

Weltweit noch größer waren lediglich die Börsengänge dreier chinesischer Finanzkonzerne. Schon gibt es Bedenken, Facebook könnte den Markt für Aktienplatzierungen austrocknen: Denn die Investoren können ihr Geld nur einmal ausgeben und für andere Unternehmen, die aufs Parkett streben, bleibt weniger übrig.

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