Der bauMax geht pleite und sein Gründer Karlheinz Essl will seine Kunstsammlung an die Republik Österreich verkaufen, um sein Geschäft zu sanieren. Einen Tag nach laut werden der Nachricht, hat jeder Experte - und alle, die sich dafür halten - etwas dazu zu sagen. Von FPÖ und Team Stronach hört man ein lautes "Njet", der Kulturminister ist dafür und andere wollen sich nur die Rosinen aus dem Kuchen picken und einzelne Bilder kaufen. Nur eines ist sicher: Konsens gibt es keinen.
Der bauMax droht bald pleite zu gehen und sein Gründer , um sein Geschäft zu sanieren. Einen Tag nach laut werden der Nachricht, hat jeder Experte - und alle, die sich dafür halten - etwas dazu zu sagen. Von FPÖ und Team Stronach hört man ein lautes "Njet", der Kulturminister ist dafür und andere wollen sich nur die Rosinen aus dem Kuchen picken und einzelne Bilder kaufen. Nur eines ist sicher: Konsens gibt es keinen.
Zuerst die gute Nachricht: Der Wert der Sammlung Essl, bisher mit 86 Millionen vermutet, dürfte weit höher sein. "Der Wert der internationalen Kunst übersteigt den Wert der österreichischen Kunst, obwohl diese zahlenmäßig viel stärker vertreten ist, bei weitem", erklärte Kunstexperte Otto Hans Ressler auf Ö1. Zwei Drittel des gesamten Sammlungswerts dürften auf ausländische Werke zurückgehen - obgleich diese nur rund 2.000 der 7.000 Bestandsstücke ausmachten, so Ressler. Der einstige Geschäftsführer des Wiener Auktionshauses Im Kinsky hatte im Auftrag Essls ein Gutachten über den Wert der Sammlung erstellt.
Ostermayer will Kunstsammlung zusammen halten
Was allerdings mit dem "Schatz" aus Niederösterreich passiert, ist vollkommen unklar. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) will auf jeden Fall eine Zerschlagung der Kunstsammlung des Industriellen Karlheinz Essl verhindern. "Das wäre ein großes Problem für den Kunstmarkt", sagte er am Dienstag nach dem Ministerrat. Er verwies auf den von ihm initiierten, wo erst einmal Zahlen und Fakten außer Frage gestellt werden sollen.
Im Falle einer eventuellen Zerschlagung der Kunstsammlung sieht Ostermayer "viele Probleme" auf Galerien und Künstler zukommen. Allerdings betonte er auch, dass sich die Regierung derzeit in einer Situation der Budgeterstellung befindet, "wo es ganz eng ist". Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) stellt sich zudem die Frage, wann letztendlich Geld fließen muss. "Die Republik ist bereit, hier mitzuwirken", betonte er jedenfalls.
Das sagen die großen Gegner eines Ankaufs durch die Republik:
Niederösterreichischs Team Stronach: "Es geht dem Sammler doch wohl nur darum, möglichst rasch und risikoarm zu Geld für seine marode Firma zu kommen - und zwar zum Geld des Steuerzahlers."
FPÖ: Ein Konzern mit knapp 400 Millionen Euro Verlust werde wohl kaum mit dem Verkaufserlös der Sammlung von geschätzten 86 Millionen Euro zu retten sein
Die Grünen: Zumindest drei Bundesmuseen sammeln bereits österreichische Gegenwartskunst, so Kultursprecher Wolfgang Zinggl, daher mute es "höchst befremdlich" an, wenn nun viel Geld ausgegeben werden soll, "um den persönlichen Geschmack eines Privatsammlers zu kanonisieren". Den Museen fehle dagegen nahezu jegliches Ankaufsbudget.
Diese Gruppen wollen sich die Rosinen aus dem Kuchen picken:
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ): "Ich kann mir vorstellen, dass man Teile davon in die Bundesmuseen gibt." Ein Teil könne am Standort Klosterneuburg verbleiben. "Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man mit dem Künstlerhaus spricht, ob man auch dort einen Ausstellungsort macht"
Belvedere-Chefin Agnes Husslein fürchtet Konkurrenz für ihr Haus: Die österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts sowie das zeitgenössische Kunstschaffen sind im Belvedere, in der Artothek und im mumok bereits "ausreichend repräsentiert". Gegen einzelene Kunstwerke als Ergänzung ihrer Sammlung hätte sie hingegen nichts.
Diese Expertin behält einen kühlen Kopf:
Die Direktorin des Museums der Moderne Salzburg (MdM), Sabine Breitwieser, rät vor einem Ankauf des Bundes zu einer genauen Prüfung. Fachleute der Museen müssten unbedingt beurteilen, ob die Sammlung überhaupt von öffentlichem Interesse sei. "Wenn dem nicht so ist, würde ich auf jeden Fall abraten." "Ohne Museen geht da gar nichts", so Breitwieser, die erst vor Kurzem die international renommierte Sammlung der Generali Foundation nach Salzburg holen konnte. Sollten etwa Agnes Husslein (Belevedere) oder Karola Kraus (Mumok) der Ansicht sein, dass die Sammlung nicht so bedeutsam sei, wäre es ein Alleinankauf des Ministers.
APA/red.