Wirtschaft

Jetzt droht noch massive Preiserhöhung bei Handyvertrag

Acht von zehn Mobilfunkverträgen erlauben es Anbietern, Preise parallel zur Inflation anzuheben. Für viele Kunden dürfte es ein böses Erwachen geben.

Wolfgang Bartosch
Mobilfunk-Tarife könnten um bis zu zehn Prozent teuer werden.
Mobilfunk-Tarife könnten um bis zu zehn Prozent teuer werden.
Getty Images/iStockphoto

Du hast das Kleingedruckte in deinem Mobilfunkvertrag nicht so genau gelesen? Ganz schlecht, denn: Laut einem Check des virtuellen Mobilfunkanbieters Ventocom (der betreibt für den Diskonter Hofer die Marke Hofer Telekom alias HoT) enthalten rund 80 Prozent der Verträge Klauseln mit der Bezeichnung "Wertsicherung". Der Punkt wirkt nicht bedrohlich, enthält aber eine böse Überraschung. Er gestattet es nämlich den Handyanbietern, ihre Preise parallel zur Inflation anzuheben. Aktuell erlaubt das, so schätzt Ventocom-Chef Michael Krammer, Preiserhöhungen in der Größenordnung von "acht bis zehn Prozent". Zum Teil betrifft die Klausel sogar Zusatzgebühren wie die jährliche Servicepauschale.

    SafeLight hilft Handy-Usern beim sicheren Überqueren der Straße.
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    Nur wenige wissen Bescheid

    Das Bewusstsein für den drohenden Preishammer ist überschaubar. Laut einer von Ventocom bei Marktagent in Auftrag gegebenen Studie sind sich nämlich nur 20 Prozent der Befragten bewusst, dass sich in ihrem Vertrag die Möglichkeit einer Inflationsanpassung verbirgt. Knapp 41 Prozent wissen es nicht, rund 39 Prozent sagen "Nein". Das ist allerdings "mit Sicherheit falsch", bedauert Krammer.

    Kein Sonderkündigungsrecht

    Nur oberflächlich ist zudem der Infostand in Sachen "außerordentliches Kündigungsrecht" bei Preiserhöhungen. Das gibt es zwar, allerdings gilt das laut OGH-Urteil nicht für reine Inflationsanpassungen, wenn die Wertsicherungs- bzw. Indexklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert sind. Über 40 Prozent glauben allerdings an ihr Recht auf diesen außertourlichen Ausstieg. 34 Prozent geben zu, keine Ahnung zu haben, nur 26 Prozent kennen die richtige Antwort: Steht's im Vertrag, gibt's kein Entkommen – sofern man noch gebunden ist. Den Grund für das Info-Defizit sieht Krammer in der bisherigen Inflationsentwicklung. Die Teuerungsraten seien bisher so niedrig gewesen, dass es für viele Kunden nicht wichtig war. "Jetzt wird es aber relevant."

    SIM-only-Tarife statt teurer Verträge

    Was Michael Krammer Mobilfunkkunden rät? "Keine langfristigen Verträge mehr eingehen bzw. diese nicht verlängern." Laut Ventocom-Chef ist es in der Regel günstiger, Handys auf dem freien Markt zu kaufen und auf SIM-only-Tarife ohne Wertsicherungsklausel umzusteigen. Die gibt's (und das hat die Arbeitekammer bereits im Sommer erhoben) vor allem bei den kleinen virtuellen Mobilfunkern, namentliche etwa bei HoT und Spusu.