Welt

Jetzt kappt Russland der Ukraine das Gas

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:31

Die Gasverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland sind gescheitert. Bei den Gesprächen in Kiew sei keine Einigung erzielt worden, teilte der russische Gazprom-Konzern mit. Die Ukraine hatte bis Montag um 8 Uhr ein Ultimatum, ihre Schulden zu begleichen. Nun kündigte Russland an, die Gaslieferungen an das Nachbarland zu stoppen.

. Nun kündigte Russland an, die Gaslieferungen an das Nachbarland zu stoppen. Der russische Gasriese Gazprom schließt nach dem Lieferstopp für die Ukraine Beeinträchtigungen bei Gaslieferungen für die EU-Staaten nicht aus.

Moskau erwarte weiterhin (rund 1,44 Milliarden Euro), sagte Sergej Kuprijanow vom Gazprom-Konzern in Kiew. "Wir haben keine Einigung erzielt und die Chancen sind gering, dass wir uns noch einmal treffen. Wir befinden uns schon auf dem Rückflug nach Moskau", sagte er. Weil die Ukraine nicht zahlte, gibt es Gas nur noch nach Vorauszahlungen.

Dies könnte auch die Europäische Union treffen - wie zuletzt 2009. Mehrere EU-Staaten wären betroffen, denn die Ukraine ist das wichtigste Transitland für den Energiefluss in den Westen. An der neuen Verhandlungsrunde hatte auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger als Vermittler zwischen Gazprom-Chef Alexej Miller und dem ukrainischen Regierungschef Arseni Jazenjuk teilgenommen.

Lieferstörungen auch nach Österreich?

Wie aus Gazprom-Kreisen verlautete, sei die Europäische Union vor "möglichen Beeinträchtigungen" gewarnt worden. Gazprom betonte, dass die mit den Europäern vertraglich vereinbarten Mengen weiterhin zu Transitzwecken in die Ukraine geleitet werden. Kiew sei verpflichtet, das Gas nach Mitteleuropa weiterzuleiten, betonte der russische Gaskonzern. Die für die Ukraine bestimmten Gaslieferungen seien dagegen ab 8.00 Uhr MESZ gestoppt worden, verlautete aus Gazprom-Kreisen.

Mitterlehner: Lieferung nach Österreich gesichert

Österreichs Gasspeicher sind gut gefüllt, selbst bei einem völligen Importstopp würden die Vorräte noch bis Februar 2015 reichen - das sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) am Montag nach der Einstellung der russischen Gaslieferungen an die Ukraine.

"Wir beobachten die Lage genau, aber Österreich wäre für eine eventuelle Verknappung bei Erdgas gut gerüstet, weil es deutlich mehr Speicher und auch mehr Bezugsquellen gibt als noch 2009", sagte Mitterlehner. So könnte russisches Gas jetzt - anders als früher - auch über die Nord-Stream-Pipeline und im Anschluss über die Opal-Leitung von Deutschland nach Österreich kommen. Zusätzlich sei inzwischen das Reverse-flow-System an mehreren Stellen umgesetzt worden, das heißt, die Gas-Fließrichtung könne auch umgekehrt werden. Über Deutschland (Überackern und Oberkappel) bzw. über Italien (Arnoldstein) kann Österreich das Gassystem in beide Richtungen betreiben.

Die Gasspeicher in Österreich seien mit aktuell rund 65 Prozent deutlich stärker gefüllt sind als zu dieser Jahreszeit in den Vorjahren, erklärte der Minister. Das entspreche 5,3 Mrd. Kubikmetern Erdgas. Aus heutiger Sicht würden diese Vorräte für mehr als acht Monate reichen. Rund 60 Prozent des heimischen Gasverbrauchs werden durch Gas aus Russland gedeckt.

Länder wollen sich mit Klagen eindecken

Der Streit zwischen Kiew und Moskau dreht sich nicht nur um unbezahlte Rechnungen, sondern auch um den Preis für Gaslieferungen. Derzeit fordert Russland 485,50 US-Dollar je 1000 Kubikmeter. In Verhandlungen hatte Moskau einen Preis von rund 385 US-Dollar angeboten. Die Ukraine will aber nur 268 US-Dollar zahlen. Kiew droht damit, den Streit vor das Schiedsgericht in Stockholm zu bringen. Moskau will in diesem Fall dort eine Gegenklage einreichen.

Im Hintergrund ist das Verhältnis zwischen Moskau und Kiew rund um den und 49 Soldaten getötet.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen