Jetzt Prüfung, ob Pfizer-Impfstoff Herzprobleme auslöst

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer.
Der Impfstoff von Biontech/Pfizer.JEAN-FRANCOIS MONIER / AFP / picturedesk.com
In Israel sind nach Impfung mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen aufgetreten.

Bei den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind es die seltenen, aber schweren Sinusvenenthrombosen, die zu nachträglichen Überprüfungen geführt haben. Bei dem Vakzin von Pfizer/Biontech sind es nun Herzmuskelentzündungen. Diese, auch Myokarditis genannten, Probleme sind Berichten aus Israel zufolge vor allem bei Männern unter 30 Jahren aufgetreten.

Das israelische Gesundheitsministerium hat die Untersuchung aufgenommen. Einer vorläufigen Studie zufolge geht es um "Dutzende von Fällen", bei mehr als fünf Millionen Geimpften in dem Land. Diese seien hauptsächlich nach der zweiten Impfdosis aufgetreten, sagte Nachman Ash, der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, am Freitag dem israelischen Fernsehsender Channel 12.

Myokarditis?

Eine Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels, die bevorzugt Männer betrifft und sowohl akut als auch chronisch verlaufen kann. Im Rahmen dieser Entzündung kommt es zu einer Schädigung von Herzmuskelzellen. Die Pumpfunktion des Herzens wird gestört.

Die Symptome einer Myokarditis sind zu Beginn unspezifisch. Betroffene klagen mitunter über Müdigkeit, Schwäche, grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit oder Herzrasen. Daher ist sie nur schwer zu erkennen, was eine rasche Diagnose schwierig macht. Das ist aber wichtig. Denn unbehandelt kann die Entzündung zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen, selten kommt es auch zum plötzlichen Herztod. In den meisten Fällen heilt die Entzündung aber folgenlos aus.

"Keine Hinweise auf einen Zusammenhang"

Konkret geht es um 62 Fälle: Bei 55 Betroffenen handelt es sich um Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Die meisten Patienten seien mittlerweile in gutem Zustand aus dem Spital entlassen worden. Zwei Personen allerdings – eine 22-jährige Frau und ein 35-jähriger Mann – seien verstorben. Sie hatten offenbar keine Vorerkrankung. Noch ist unklar, ob die Herzmuskelentzündungen tatsächlich auf die Impfungen zurückzuführen sind.

Hersteller Pfizer erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, man habe in seinen Studien keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet – auch aus anderen Teilen der Welt sei diese bislang nicht berichtet worden: "Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt."

Widerspruch

Die Autoren der Studie aus Israel widersprechen dem Pharma-Riesen. "Zum jetzigen Zeitpunkt besteht der Eindruck einer höheren Zahl von Herzmuskelentzündungen als erwartet, vor allem für die Altersgruppe bis 30 Jahre", zitiert die "Jerusalem Post" die Forschenden. Ihnen zufolge könnte das Risiko für die gesamte Bevölkerung demnach 1:100.000 betragen, für junge Männer aber könnte es bei 1:20.000 liegen.

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