Familie von US-Missionar verzeiht Ureinwohnern

John Chau wurde auf einer Insel im Indischen Ozean von Ureinwohnern getötet. Der US-Tourist wusste von der Gefahr, wie ein Brief zeigt.
Die Familie des von Ureinwohnern getöteten US-Missionaren John Chau hat sich in mit einem Post auf dessen Instagram-Profil zu Wort gemeldet. "Er liebte Gott, das Leben, jenen zu Helfen, die seine Hilfe benötigten. Er fühlte nichts als Liebe für die Sentinelesen. Wir vergeben jenen, die für seinen Tod verantwortlich sind."

Die Familie schreibt des Weiteren, dass Chau freiwillig auf die Insel gegangen war. Sie wünschten, dass die Fischer, die ihren Sohn in die Nähe der Insel gebracht hatten, freigelassen würden. Sie seien nicht verantwortlich für seine Handlungen.

Körper herumgeschleift

Mit Pfeilen sollen Ureinwohner den 27-jährigen John Chau auf einer indischen Andamaneninsel getötet haben. Trotz Verbot machte sich der US-Amerikaner auf den Weg, soll Fischer darum gebeten und möglicherweise auch bestochen haben, ihn in die Nähe der Insel zu bringen. Das letzte Stück legte er mit einem Kanu zurück. CNN hat weitere Details zum tragischen Tod recherchiert.

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So habe laut einem lokalen Fischer Chau das Ufer am 16. November erreicht – und sei am selben Tag mit Verletzungen, die von Pfeilen stammten, zurückgekehrt. Einen Tag darauf sei er erneut zur Insel gereist – diesmal ohne Rückkehr. Der Fischer habe später gesehen, wie die Ureinwohner seinen Körper herumgeschleift hätten.

Chau wollte ihnen Geschenke mitbringen

Vor seinem Tod hatte er einen langen Brief verfasst, der Dailymail.com vorliegt. Wie aus diesem hervorgeht, rechnete er mit dem Schlimmsten. "Ihr glaubt vielleicht, dass ich verrückt bin, aber ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Menschen Jesus näher zu bringen. Bitte seid weder auf sie noch auf Gott wütend, wenn ich getötet werde." Der 27-Jährige fügte jedoch hinzu: "Gott, ich will nicht sterben". Wie sein Freund gegenüber CNN sagt, sei sich Chau zudem durchaus bewusst gewesen, dass es verboten sei, die Insel im Indischen Ozean zu betreten.



Die geschätzt rund 150 dort lebenden Sentinelesen, die als Fischer und Jäger leben, wollen keinen Kontakt zur Außenwelt und unterliegen einem strengen Schutz. Zu ihrer Insel muss ein Abstand von mindestens fünf Kilometern eingehalten werden.

Chau soll nach Angaben des Freundes bereits vor einigen Jahren eine Entdeckungsreise zur Inselgruppe gemacht haben. Damals habe er nach seiner Rückkehr erzählt, weitere Reisen zu planen. Demnach wollte er den dort lebenden Sentinelesen Geschenke mitbringen und ihren Lebensstil kennen lernen. Weiter stützen die Erklärungen des Freundes das Bild, dass Chau als Missionar unterwegs gewesen ist.

"Müssen aufpassen, dass wir sie nicht stören"

Die Bergung der Leiche des Missionars gestaltete sich mithin schwierig. Die indische Polizei bezog in ihre Bemühungen Anthropologen, Forstbeamte und auf Ureinwohner spezialisierte Sozialarbeiter ein. "Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht stören", sagte der örtliche Polizeichef Dependra Pathak der Nachrichtenagentur AFP. Ein Schiff und ein Hubschrauber seien losgeschickt worden. Sie hätten den Abstand zur Insel eingehalten und die Leiche noch nicht entdeckt.

Weil auch indische Behördenvertreter die Insel nicht betreten, ist zudem unklar, ob die Tötung rechtliche Konsequenzen hat. Mehrere Fischer wurden festgenommen, weil sie Chau in die Nähe der Insel gebracht haben sollen. (dmo/afp)

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