Jörg Haider ermordet? "Letzte Zweifel bleiben"

Am Sonntag hätte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider seinen 70. Geburtstag gefeiert. Sein langjähriger Pressesprecher Stefan Petzner stellte sich aus diesem Anlass selbst 15 Fragen – und antwortet. Auch selbst.
Am 26. Jänner hätte Kärntens ehemaliger Landeshauptmann seinen 70. Geburtstag gefeiert. Sein langjähriger Pressesprecher Stefan Petzner gedachte seines Mentors (und Lebensmenschen, wie er es selbst einmal ausdrückte) auf Facebook. "Alles Gute, Jörg. Ich vermisse dich – aber wir sehen uns im Himmel." In 15 durchaus spannenden Punkten beleuchtet der Intimus dann den Politiker, den Menschen, das Unfallopfer Jörg Haider.

"Zu 99 Prozent ein Unfall"

Die brisanteste Thematik, nämlich Jörg Haiders Unfalltod in volltrunkenem Zustand anno 2008, greift Petzner mit gewohnt offenen Worten in seinem Posting auf: Wurde Jörg Haider ermordet, fragt er sich selbst? Die Antwort: "Ich sage, zu 99,9 Prozent war es ein Unfall. Letzte Zweifel aber werden immer bleiben. Aber: Der Mythos, dass Haider Opfer eines Mordkomplotts wurde, ist im Volk viel, viel mehr verbreitet, als alle glauben. in Kärnten würde ich sagen, sogar rund die Hälfte der Leute!"



CommentCreated with Sketch.20 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Er säße nicht im Gefängnis"

Dann stellt Kommunikationsberater und Ex-Dancing Star Petzner seine Sicht der Dinge auf politischer Ebene klar: Haider säße heute nicht im Gefängnis, das Hypo-Debakel wäre ihm nie passiert, eine Wiedervereinigung mit der Strache-FPÖ wäre in seinem Sinn gewesen, Wahlen in Kärnten würde er auch heute noch gewinnen. Apropos Wahlen: Auch "das Ziel, Bundeskanzler zu werden, hat er nie aufgegeben – selbst nicht nach Knittelfeld. Er wollte noch einmal ganz nach oben, hatte die nötige Kraft und auch die Willensstärke dazu."

"Haider war zunehmend unglücklich"

Nazi-Anwürfe hätten seinen langjährigen Chef getroffen, stellt Petzner in den Raum. "Vieles schmerzte ihn." Guter Punkt, wie war Haider eigentlich als Mensch? "Privat sehr bescheiden, fast schon geizig – und ein sehr ruhiger, nachdenklicher, eigentlich harmoniebedürftiger Typ." War er glücklich? "Das Traurige: nicht wirklich. Gegen Ende seines Lebens zunehmend sogar unglücklich." Dabei, so Petzner, "war er ein feinfühliger Mensch mit einen weichen Herzen. Nur öffentlich zeigte er das nie."

"Heinz und Margot Fischer konnte er nicht leiden"

Seine Stärken? "Der Umgang mit Menschen, seine Volksnähe, sein Leadership sowie seine Tatkraft." Schwächen? "Seine Gutgläubigkeit, fehlende Menschenkenntnis und zu wenig Wirtschafts- und Finanz-Know-how für vernünftiges Haushalten und Wirtschaften."

Jörg Haiders größte Enttäuschung wäre laut Petzner Grasser gewesen, Strache habe er anfangs unterschätzt. Sein gefährlichster Gegner: "Wolfgang Schüssel". Wen er nicht leiden konnte: "Heinz und Margot Fischer".

"Lebensziel erreicht"

Wer war eigentlich Jörg Haiders größter Halt? Klipp und klare Antwort: "Der größte Halt war sicher seine Familie." Auch eine große Angst hatte er: "Vergessen zu werden. Stattdessen wurde er zum Mythos, zur Legende. Insofern hat er sein Lebensziel erreicht und das ist schön."

Haiders Tod – die Fakten

Jörg Haider verstarb am 11. Oktober 2008 auf der Lambichl-Bundesstraße bei Köttmannsdorf (Ktn.) bei einem Unfall. Jörg Haider hatte laut gerichtlicher Obduktion 1,8 Promille Alkohol im Blut und dürfte mit weit überhöhter Geschwindkeit in seinem VW Phaeton verunfallt sein. Die Staatsanwaltschaft konnte niemals einen Anfangsverdacht auf Fremdverschulden nachweisen. Jörg Haiders Leichnam wurde nach der gerichtlichen Obduktion von einer Gerichtsmedizinerin "aufbereitet", ehe seine Familie nochmals Abschied nahm. Nach dem Requiem wurde er kremiert und in seiner Heimat, dem Bärental, bestattet. Haider hinterließ Ehefrau Claudia und zwei Töchter (Ulrike, Cornelia).

Das Petzner-Posting im Wortlaut:



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