Der erneute Vandalenakt am Campus der Religionen in der Seestadt (Donaustadt) sorgt für Aufregung. Nicht zum ersten Mal wurde am Sonntag die jüdische Fahne zerrissen. Zeugen sollen sechs Personen bei der Tat beobachtet haben, die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der schweren Sachbeschädigung und Herabwürdigung religiöser Lehren– wir berichteten.
Seither gehen die Wogen hoch: "Ich verurteile es aufs Schärfste, dass die jüdische Fahne in der Seestadt zerstört wurde. In unserer Stadt gibt es für Rassismus und Antisemitismus keinen Platz", schreibt Stadtchef Michael Ludwig in den sozialen Medien. "Wien ist die Stadt des sozialen Zusammenhalts und des Friedens. Dafür setze ich mich tagtäglich mit allem Nachdruck ein."
Es sei beschämend und man verurteile den "dreisten antisemitischen Vandalenakt" auf das Schärfste, betont auch ÖVP-Landesparteiobmann Karl Mahrer. "Dass dieser Campus der Religionen, der einen Ort des friedlichen Zusammenlebens darstellt, mit diesem Vandalismus konfrontiert wird, erfüllt mich mit großer Sorge. Spätestens jetzt braucht es eine geeinte Kraftanstrengung, damit sich diese schrecklichen Dinge nicht mehr wiederholen", so die Donaustädter Bezirksparteiobfrau Gudrun Kugler.
Es sei offensichtlich, dass sich die antisemitischen Vorfälle in Wien stetig häufen, so Mahrer. "Es ist jetzt an der Zeit einen Schulterschluss gegen Antisemitismus mit allen konstruktiven Kräften in dieser Stadt voranzutreiben."
Auch bei der evangelischen Kirche zeigt man sich schockiert: Der Verein "Campus der Religionen", dessen Schriftführer der evangelische Superintendent Matthias Geist ist, meldet sich in einem Statement zu Wort. "Wir sind betroffen und bestürzt über einen solchen Angriff gegen eine unserer Religionsgemeinschaften. Wir treten entschieden gegen jede Art von Respektlosigkeit und Feindseligkeit in unserer Stadt auf", so Geist.
Wo eine Religion angegriffen wird, seien auch alle anderen mitbetroffen, heißt es weiter. "Der antisemitische Akt ist ein Zeichen gegen den friedvollen Umgang miteinander, den wir in Wien schon lange pflegen. Als Vertreter der acht beteiligten Religionsgemeinschaften stehen wir zur religiösen Vielfalt und bekennen uns zu unserem freundschaftlichen Diskurs, der keine Diskriminierung oder Verletzung zulässt."