Am Donnerstag (9. April) eröffnet Shai Carmeli-Pollak im Studio Molière das Jüdische Filmfestival. Nach dem Film steht er dem Publikum Rede und Antwort. Im Mittelpunkt steht der Film "The Sea", der die Geschichte vom zwölfjährigen Khaled aus der Westbank erzählt. Der Bub träumt davon, endlich das Meer zu sehen, und freut sich schon riesig auf die geplante Klassenfahrt. Doch am Militärcheckpoint wird nur er von der israelischen Armee zurückgewiesen. Khaled will sich damit aber nicht abfinden und macht sich alleine auf den Weg zur Küste.
"The Sea" wurde beim Jerusalem Film Festival gleich mit drei Preisen ausgezeichnet. Auch bei den Ophir Awards, den sogenannten "israelischen Oscars", räumte der Film in fünf Kategorien ab. Das sorgte für heftige Reaktionen: Israels Kulturminister Miki Zohar nannte die Preisverleihung "beschämend" und kündigte an, die Finanzierung der Ophir Awards zu kürzen. Für ihn sei "The Sea" ein propalästinensischer Film, der das israelische Militär und dessen Soldaten in ein schlechtes Licht rücke.
Bis 19. April werden im Votiv Kino, im Metro Kinokulturhaus und im Studio Molière über 30 Filme aus dem In- und Ausland gezeigt, die das jüdische Leben auf die große Leinwand holen. Das sorgt auch außerhalb Israels für Diskussionen: Die Premiere des Dokumentarfilms "Wir sind noch da", der das Leben der jüdischen Gemeinde in Salzburg zeigt, wurde in der Mozartstadt wegen "Sicherheitsbedenken" kurzfristig abgesagt. Erst nach öffentlichem Druck wurde sie wieder angesetzt.
Das Festival bietet viel Raum für Diskussionen. In drei Paneldiskussionen wird über den Nahen Osten gesprochen – es geht um friedliches Zusammenleben, das Sicherheitsgefühl der jüdischen Diaspora und darum, wie man die Fronten weniger verhärtet.
Auch junge Filmschaffende bekommen eine Bühne: Das Kurzfilmprogramm widmet sich etwa dem Schicksal der Geiseln vom 7. Oktober 2023. Gezeigt wird zum Beispiel "A Letter to David" von Tom Shoval. Einen Kontrapunkt setzt das Festival mit dem Programmpunkt "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Filme wie "Lost In Territories" oder "A Serious Man" von den Coen Brothers zeigen, wie Humor dabei hilft, Unsicherheiten zu ertragen, Autoritäten zu hinterfragen und schwierige Zeiten zu überstehen.