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Junge Flüchtlinge landen in Berlin auf dem Strich

Heute Redaktion
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Im Tiergarten Berlin hat sich eine regelrechte Szene entwickelt. Vor allem ältere Männer beuten junge Flüchtlinge, die dort übernachten, sexuell aus.

Menschenrechtsorganisationen in der deutschen Hauptstadt Berlin schlagen Alarm. Immer mehr junge Flüchtlinge sehen sich gezwungen, auf den Strich zu gehen. Im Tiergarten habe sich eine ganze Prostitutionsszene entwickelt. Kunden sind überwiegend ältere Männer, berichtet das "RBB-Inforadio" in einer aktuellen Reportage.

Vor allem junge Männer und Burschen aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran treiben sich demnach im Tiergarten herum, übernachten oftmals dort und verdienen sich ihren Lebensunterhalt auf dem Strich. Es gibt jedoch auch Flüchtlinge, die bereits bei Freiern eingezogen sind: Freie Kost und Logis gegen Sex.

"Kaum Unterstützung ab 18 Jahren"

Hauptursache für die Entwicklung ist laut Hilfsorganisationen, dass es nicht genug Unterstützungsangebote gibt. Sobald die Asylwerber erwachsen seien, gebe es kaum noch Betreuung.

"Sie dürfen zum großen Teil keinen Deutschkurs machen, nicht zur Schule gehen und erst recht keiner Arbeit nachgehen. Was sollen wir einem solchen jungen Mann als Alternative anbieten?", sagt der Vorsitzende des Vereins "Hilfe für Jungs e.V.", Ralf Rötten. Zwar würden die Flüchtlinge nicht zur Prostitution gezwungen, der Park sei jedoch eine der wenigen Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Angst vor Abschiebung

Manche von ihnen sind aus Angst vor Abschiebung untergetaucht, andere – wie der in der Reportage interviewte 18-jährige Nawid – haben Probleme mit ihrer Familie. Nawid erzählte den Reportern, er habe mit seinem Vater in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt. Er habe sich mit ihm allerdings zerstritten, weil er zum Christentum konvertieren will.

Die Burschen und jungen Männer aus dem Park herauszuholen, funktioniere meist nicht so einfach, sagt Rötten. Der Verein "Hilfe für Jungs e.V." schickt Streetworker in den Tiergarten, um die Flüchtlinge zumindest über HIV aufzuklären und ihnen Unterstützung anzubieten.

Der Bezirk Berlin-Mitte hat im März ein Projekt für die obdachlosen Flüchtlinge im Tiergarten gestartet. Sie sollen rechtlich beraten und untergebracht werden.

10.000 junge Flüchtlinge verschwunden

Allein im vergangenen Jahr sind rund 10.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge innerhalb Europas spurlos verschwunden, wie eine aktuelle Statistik von Europol besagt. Ein Teil davon dürfte in die Hände skrupelloser Verbrecher gefallen sein. Die Minderjährigen sind leichte Beute für Menschenhändler.

Schlepper würden den Minderjährigen oft sagen, dass sie sich vor den Behörden älter machen sollen, um nicht in eine Einrichtung mit erhöhter Betreuung zu kommen. So haben die Ausbeuter später leichteren Zugang zu ihnen.

(red)