Falsche Zeugnisse? Justiz ermittelt gegen Westbahn

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Ermittlungen gegen ÖBB-Konkurrent Westbahn: Zwei ehemalige Mitarbeiter werfen dem Unternehmen gefälschte Zeugnissen und Mängel bei Brandschutz vor.
Das private Unternehmen Westbahn sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert. Zwei ehemalige Lokführer werfen dem ÖBB-Konkurrenten Ungereimtheiten bei der Vergabe von Zeugnissen und Mängel beim Brandschutz vor. Jetzt ermittelt die Justiz, wie der "Kurier" berichtet.

Westbahn relativiert Vorwürfe



Die Lokführer haben den Fall ins Rollen gebracht, da aber die Vorwürfe derart massiv waren, erstattete auch das Verkehrsministerium Anzeige. "Es sind polizeiliche Ermittlungen beauftragt worden", bestätigt Thomas Vecsey von der Staatsanwaltschaft Wien.

CommentCreated with Sketch.8 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Westbahn habe die Vorwürfe teilweise einräumt, aber relativiert. Im Zuge der Ermittlungen wurden die Zeugnisse von mindestens fünf Lokführern von der Eisenbahnbehörde eingezogen.

Triebfahrzeugführer absolvieren im Normalfall eine umfangreiche Ausbildung, ähnlich wie Piloten. Sie müssen Lizenzen für verschiedene Lokomotiv-Typen sowie für Sicherungssysteme wie vorweisen.

Einer der betroffenen fünf Lokführer diese Lizenz gleich am ersten Arbeitstag abgelegt, obwohl dafür eigentlich eine zweitägige Schulung notwendig sei. Er wusste aber gar nicht, dass er die Lizenz erworben hat, davon erfuhr er erst nach seiner seiner Kündigung, als er seinen Personalakt angefordert hatte.

Dort fielen dem Deutschen, der zuvor für die Deutschen Bahn tätig war, zahlreiche Merkwürdigkeiten auf. Unterschriften in Zeugnissen sollen gefälscht worden sein. An den entsprechenden Tagen hätten laut seinen Angaben gar keine Prüfungen stattgefunden.

Lizenzentzug droht



Sollten die Vorwürfe stimmen, könnte die Westbahn ihre Sicherheitsbescheinigung verlieren und müsste in diesem Fall den Betrieb einstellen.

Westbahn-Sprecherin Ines Volpert bestätigte, dass es derzeit einen arbeitsgerichtlichen Prozess zwischen dem Unternehmen und zwei Lokführern gibt. Beide Mitarbeiter wurden im vergangenen Juli ohne Angaben von Gründen gekündigt.

Laut eigenen Angaben hätten sie zu sehr auf die Sicherheit beharrt. Weitere Details wollte Volpert zu dem Prozess nicht bekanntgeben. Es wurde jedoch betont, dass "wir die Vorwürfe nicht auf die leichte Schulter nehmen und die internen Abläufe unverzüglich überprüft haben."

Die Fehler bei der internen Dokumentation bei den zwei Lokführern wurden eingeräumt. Weiters sieht das Unternehmen kein Sicherheitsproblem.

Laut Westbahn gab es "im vergangenen Jahr bei 0,001 Prozent der Zugfahrten technische Schwierigkeiten mit Brandschutztüren", dies sei "keinerlei Sicherheitsrisiko". Zudem wurde "auf so einen technischen Defekt innerhalb von einem bis maximal dreizehn Tagen – aufgrund von Lieferverzug" reagiert.

Defekte Brandschutztür



In der Anzeige wurde jedoch ein möglicherweise sorgloser Umgang mit dem Brandschutz dokumentiert. Der Leiter des Betriebs soll im Juni 2019 von einem der beiden Lokführer über eine defekte Brandschutztür informiert sein. Videos und Fahrtenbücher sollen belegen, dass dieser Defekt wochenlang nicht behoben wurde.

Der Gewerkschafter Gerhard Tauchner hat im Zuge der Causa die neue Onlineplattform www.mobifair.at eingerichtet. "Solche Plattformen gibt es bereits auch in anderen Ländern und das ist sehr erfolgreich", so Tauchner. Personen aus dem gesamten Verkehrsbereich können dort Probleme bei den Arbeitsbedingungen melden. Hier landeten auch die Beschwerden der beiden Lokführer.

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