Wiens 1. Kaffeehaus mit dem "Do-Good-Faktor"

Kaffee trinken und dabei (ein bisschen) die Welt retten? Das geht in Wiens erstem NGO-Lokal "Dirt Water" in der Kandlgasse 35 in Wien-Neubau.
Wer öfter im 7. Bezirk unterwegs ist, dem ist es sicher schon aufgefallen. In der Kandlgasse 35, direkt an der Ecke zur Kaiserstraße, gibt es mit "Dirt Water" seit kurzem Wiens erstes NGO-Lokal.

"Genau genommen sind wir kein Kaffeehaus, sondern eine Hilfseinrichtung. Denn der Gewinn geht zu 100 Prozent an Frischwasserprojekte in der Dritten Welt, etwa in Kambodscha", erklärt Betreiber und "Dirt Water"-Vereinsgründer Lars Wesener (32).

"Leckerste Werbekampagne der Welt"

Das Konzept des Lokals ist schnell erklärt: "Wir sammeln hier in einem gesellschaftlichen anerkannten und positiv besetzten Rahmen Geld für die Entwicklungshilfe. So gesehen sind wir die greifbarste und leckerste Werbekampagne der Welt", schmunzelt Lars.

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Nachhaltigkeit und den ökologischen Fußabdruck innerhalb des wirtschaftlichen Rahmens so gering wie möglich zu halten, steht im Zentrum des "Kaffeehauses". "Bei uns ist alles ein bisschen anders. So haben wir beispielsweise nicht extra ausgeschildert, dass wir nur Freilandeier verwenden, weil das ohnehin selbstverständlich ist", so Lars.

Nachhaltigkeit steht im Fokus

Und so sind in der Karte nur jene Dinge ausgeschildert, die eben nicht regional, saisonal und nachhaltig sind. Etwa die Jackfruit, die für den köstlichen "Pulled Jack-Burger" (12 Euro) verwendet werden. "Die Frucht kommt aus Asien und ist eines der wenigen Lebensmittel, das nicht wirklich nachhaltig ist", erklärt Lars.

Im "Dirt Water" werden so Veganer, Vegetarier und Fleischfans glücklich. Neben täglich wechselnden Eintöpfen (etwa dem 'Buddha's Favorite' mit Kichererbsen und Karfiol) und belegten Broten ist auch das "Cheese'n'Maroni-Sandwich" (12 Euro) einen Versuch wert. Für Fleischtiger gibt es den "Pulled Beef-Burger" um 13 Euro und – auch wieder anders als in anderen Lokalen – im "Dirt Water" ist Freitag Fleischtag.

Im April bietet das "Dirt Water" ein Bier des Monats, darunter auch Craft Beers, ab Mai soll auch Brunch angeboten werden.

"Alles was einen größeren ökologischen Fußabdruck hat, wie etwa Rindfleisch, ist in der Karte mit einem CO2-Logo gekennzeichnet, um hier auch Bewusstsein zu schaffen", erzählt Lars.

Hier schlägt das soziale Herz laut

"'Dirt Water' ist kein Hipster-Lokal, sondern einfach ein gemütlicher Rahmen, um entspannt etwas zu essen und zu trinken. Wir haben hier einen Stammgast, dem meine Hilfsprojekte völlig egal sind, aber trotzdem herkommt", erzählt Lars.

Dennoch soll das Nicht-Kaffeehaus auch eine Plattform sein: So gibt es etwa einen Food-Sharing-Kühlschrank, aus dem sich einkommensschwache Menschen Lebensmittel mitnehmen können. Daneben gibt es eine Tafel, auf der bereits bezahlte Speisen ausgewählt werden können. "Der Anteil versteckter Armut steigt. So gibt es etwa viele ältere Menschen, die alleine zuhause sitzen, weil sie sich nicht einmal einen Besuch im Kaffeehaus leisten können", erklärt Lars.

Hier können die Lokal-Besucher helfen, in dem sie Getränke und Speisen quasi 'vorbezahlen' und den Bon auf die "schwarze Tafel" heften. "Von dort können sie dann heruntergenommen und eingelöst werden", so Lars.

Hobbybäcker gesucht

Im "Dirt Water" geht es aber nicht nur um den gemütlichen Lokalbesuch und um die Spenden, sondern auch um das Miteinander. "Zur Zeit sind wir etwa auf der Suche nach Backfeen und Backelfen, die bei uns in der Küche mitarbeiten wollen", so Lars.

Das "Dirt Water" in der Kandlgasse 35 hat Dienstag bis Freitag von 7.30 bis 24 Uhr sowie an den Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 24 Uhr (länger auf Anfrage) geöffnet. (lok)

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