Kalorienzählen per Smartphone-Foto klingt praktisch: Einfach den Teller ablichten und die App liefert die Nährwerte. Doch wie genau sind diese Schätzungen wirklich? Die US-Gesundheitsbehörde NIH hat vier beliebte Kalorien-Apps mit KI-Bilderkennung getestet – und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.
Die Forscher fotografierten 102 Mahlzeiten, deren Zutaten zuvor auf 0,1 Gramm genau abgewogen wurden. Die Apps MyFitnessPal, LoseIt, CalAI und Appediet unterschätzten den Energiegehalt im Schnitt um 250 bis 345 Kilokalorien pro Portion.
Das berichtet Forschung und Wissen. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung NUTRITION 2026 der American Society for Nutrition präsentiert. Besonders problematisch: Beim Fettgehalt lagen die Apps um rund 30 Gramm pro Mahlzeit daneben – das entspricht etwa einem Drittel des tatsächlichen Werts.
Der Grund für die Fehleinschätzung ist simpel: Fett ist auf Fotos oft nicht zu sehen. Bratöl, Butter, Dressings und der Fettanteil im Fleisch verschwinden im fertigen Gericht. Reis, Nudeln oder Gemüse sind dagegen als klar erkennbare Volumina zu sehen – deshalb schätzen die Apps Kohlenhydrate auch deutlich genauer.
Bei fettreichen, kohlenhydratarmen Gerichten wie bei einer ketogenen Ernährung fielen die Schätzungen besonders stark daneben. Wer täglich drei Mahlzeiten fotografiert, sammelt dadurch eine Lücke von bis zu 1.000 Kalorien – ohne es zu merken.
Die Studienautoren empfehlen, Fotoschätzungen nicht als alleinige Grundlage zu verwenden. Besser sei es, die Kamera-Funktion mit klassischen Erfassungsmethoden zu kombinieren. Denn selbst perfekt geschätzte Werte beschreiben nur die zugeführte Energie – wie viele Kalorien der Körper tatsächlich aufnimmt, hängt auch vom Stoffwechsel und Darmmikrobiom ab.
Die Daten stammen aus einem Konferenzbeitrag und haben das vollständige Peer-Review-Verfahren noch nicht durchlaufen. Dennoch zeigt die Studie deutlich: Kalorien-Apps bleiben ein nützliches Hilfsmittel – liefern aber keine exakten Messwerte, sondern Schätzungen mit einem systematischen Fehler.