Kampf ums "nackte Überleben" für Fitnessstudio-Chef

Bis auf das letzte Hemd: So ausgezogen fühlen sich Fitness-Betreiber Matthias Kreutzer und seine Mitarbeiterin.
Bis auf das letzte Hemd: So ausgezogen fühlen sich Fitness-Betreiber Matthias Kreutzer und seine Mitarbeiterin.olse.at
Matthias Kreutzer, Geschäftsführer vom Fitnessstudio "Atvero" in Melk, zieht mit seiner Mitarbeiterin blank. Denn so stehen sie auch finanziell da.

Wie kann man besser auf seine prekäre Situation aufmerksam machen, als mit einem Foto im Adamskostüm. Dies dachten sich auch Fitnessstudio-Betreiber Matthias Kreutzer (35) aus Loosdorf und seine Mitarbeiterin - darum zogen sie blank. Der Grund für diesen mutigen Schritt ist leicht erklärt: Die Coronapandemie setzt dem Unternehmer stark zu. Das Studio "Atvero" in Melk ist seit acht Monaten verwaist. Und Kreutzer stößt finanziell nun an seine Grenzen. "Uns wurde sprichwörtlich das letzte Hemd genommen", sagt er. Dieses Bild soll es für alle sichtbar machen. 

"Ohne Spenden hätten wir nicht überlebt"

Er und seine vier Mitarbeiter müssen seit Monaten schauen, wie sie über die Runden kommen. "Wir alle haben Verpflichtungen - beruflich und privat", stellt er klar. Kinder müssen versorgt werden, oder auch Haustiere. Und die Förderungen vom Staat bleiben aus. Die Einnahmen der letzten Monate fehlen. Ohne den Spenden von Mitgliedern hätten sie es nicht so lange überlebt. "Seit nunmehr einem Jahr tragen wir die Entscheidungen unserer Regierung zur Eindämmung der Pandemie mit. Und genau diese zwingen uns aktuell, aufzuzeigen, dass sich in einem Jahr nichts geändert hat – außer dem stümperhaften Umgang mit dem Virus", kritisiert der Geschäftsführer.

Das "Atvero" Fitnessstudio ist seit Monaten zu.
Das "Atvero" Fitnessstudio ist seit Monaten zu.Atvero

Keine Perspektive

Ihn und sein Team macht die Perspektivlosigkeit fertig. Laut Kreutzer gibt es derzeit keine Öffnungsaussicht, keine Infos und kein Ziel. Doch neben den finanziellen Sorgen kommen auch Sorgen um seine Kunden hinzu. "Viele brauchen die sportliche Betätigung, weil sie Schmerzen haben oder weil sie nach einem Krankenhausaufenthalt zur Sporttherapie müssen", erklärt er. Eine Gruppe darf laut ihm nicht vergessen werden: Menschen mit Depressionen. "Sport ist ein wichtiger Teil der Reha, wenn dieser so lange ausfällt, versinken viele wieder tiefer in ihren dunklen Gedanken", teilt er besorgt mit.

Fitnessstudio hat gutes Hygienekonzept

Und eines will Kreutzer noch hervor heben: Gerade in Fitnessstudios sei das Hygienekonzept sehr gut umsetzbar. Die Geräte werden regelmäßig desinfiziert, die Besucher duschen vor Ort und jeder wird registriert. "Bei uns haben die Leute auf den 660 Quadratmetern genügend Platz - mehr als in so manchen Öffis und die sind nicht gesperrt worden."

Für den 35-Jährigen wäre es denkbar, dass für regelmäßig getestete oder auch bereits geimpfte Leute der Zutritt in Fitnessstudios gewährt wird. "Immerhin dürfen sich viele Menschen auch in Supermärkten tummeln oder bei Ski-Liften dicht gedrängt Schlange stehen", schließt er ab.

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