Seit ihrer Ernennung zur neuen Xbox-Chefin muss Asha Sharma einiges aushalten: Neben beleidigenden Anfeindungen steht der Vorwurf im Raum, dass sie keine echte Spielerin ist. Ihr Hintergrund als KI-Managerin verunsichert die Gaming-Community zusätzlich. Auch ein Mitgründer der Xbox äußert sich skeptisch: „Ich glaube, dass es ihr Job ist, wie eine Palliativärztin die Xbox sanft in die Nacht gleiten zu lassen“, sagte Seamus Blackley in einem Interview mit GamesBeat.
Blackley war Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre maßgeblich daran beteiligt, Microsofts Konsolenpläne voranzutreiben und schließlich die erste Xbox zu entwickeln. Nach fast 25 Jahren bei Microsoft dürfte Blackley aber keine aktuellen Einblicke in die Entscheidungen des Konzerns haben, obwohl er gerne seine Meinung teilt.
Dass ihre KI-Vergangenheit in der Xbox-Community Skepsis auslösen würde, musste Sharma bewusst sein, als sie ihr Statement zum Amtsantritt formulierte. „Während sich Monetarisierung und KI weiterentwickeln und die Zukunft prägen, werden wir weder kurzfristiger Effizienz hinterherjagen noch unser Ökosystem mit seelenlosem AI-Slop überschwemmen“, schreibt Sharma darin. „Spiele sind und bleiben Kunst, die von Menschen geschaffen wird.“
Dabei kam Sharma nicht aus der Gaming-Branche, sondern arbeitete bei Instacart und Meta. Ob und wie viel sie spielt, ist umstritten. Als sie ihren Xbox-Gamertag auf X veröffentlichte, sprangen Gaming-Magazine sofort darauf an. Das Ergebnis: Der Account ist sehr jung, ihr erstes Erfolgs-Badge erhielt sie im Jänner 2026. Wie heise.de berichtet, schrieb Sharma zu ihrem neuen Gamertag: „Ich habe meinen Gamertag gerade erst erstellt, um zu lernen und diese Welt zu verstehen.“
Aber Sharma zeigte auch Engagement: Sie stellte auf X Fragen an ihre neuen Follower nach Spielempfehlungen - und probierte die vorgeschlagenen Titel tatsächlich aus.
Das Thema ist besonders deswegen sensibel, weil es einen großen Kontrast zu Sharmas Vorgänger Phil Spencer gibt. Spencer gilt als echter Gaming-Fan, spielt nach eigenen Angaben rund 15 Stunden pro Woche und sein Gamertag zeigt Hunderte Spiele. In Gesprächen mit der Community konnte er glaubhaft und mit Fachkompetenz auftreten. Das wird Sharma zunächst nicht gelingen.
Aber muss Sharma überhaupt spielen, um Xbox erfolgreich zu führen? Das ist umstritten. Sharma ist bei Weitem nicht die einzige Führungskraft eines Spieleunternehmens ohne große Gaming-Vergangenheit. Take-Two-Chef Strauss Zelnick geht damit sogar sehr offen um: „Ich spiele gar keine Videospiele“, sagte Zelnick im vergangenen Jahr.
Allerdings führt Zelnick sein Unternehmen anders. Er würde nicht in Livestreams selbst Spiele ankündigen oder in Podcasts über sein Gaming-Hobby philosophieren. Das ist ein anderer Führungsstil als der, den Xbox-Spieler von Phil Spencer gewohnt sind. Spencer war CEO, aber auch Markenbotschafter. Bis Sharma in diese Fußstapfen treten kann, wird sie noch sehr viele Spiele ausprobieren müssen.