"Kann so nicht leben" – 240 € mehr Miete im Gemeindebau

In der Großfeldsiedlung liegen nach der Mieten-Explosion die Nerven blank. Bewohnerin Radmila (67) kommt nur durch Hilfe ihrer Kinder über die Runden.

"Auf einmal 200 Euro, das ist wirklich ein Wahnsinn", legt Radmila im "Heute"-Talk lautstark los (Video oben). Innerhalb eines halben Jahres ist die Miete für ihre Wohnung um 50 Prozent gestiegen.

Dafür verantwortlich sind die Inflationsanpassung im April und vor allem die Mieterhöhung vom 1. Oktober, die mit dem Auslaufen der Wohnbauförderung zusammenhängt. In etwa 600 der rund 220.000 Wiener Gemeindewohnungen wurde der Mietzins von Kategorie-Mietzins auf Richtwertmietzins umgestellt.

Inklusive Betriebskosten soll die Mindestpensionistin gemeinsam mit ihrem Ehemann jetzt über 1.000 Euro im Monat blechen. "Mein Mann und ich kriegen 1.600 Euro, ist das genug?", stellt sie das Haushaltseinkommen infrage.

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Keine Wohnbeihilfe, jetzt helfen Kinder

Gegenüber "Heute" erklärt eine Sprecherin von Wiener Wohnen: "In Wien wird jedenfalls niemand zurückgelassen. Ein umfassendes System an Wohn- und Mietbeihilfen hilft bei Zahlungsschwierigkeiten. Seit 04.10.2022 bietet Wiener Wohnen im Service Center eine Beratung von ausgebildeten Sozialarbeiter*innen – die Case Manager*innen – für jene Mieter*innen an, die vom Auslaufen der Wohnbauförderung mit 1.10.2022 betroffen sind. Eine Terminvereinbarung ist nicht erforderlich."

Auf das Anraten hin wandte sich Radmila hoffungsvoll an die MA 50. "Mein Antrag auf Wohnbeihilfe wurde abgelehnt", klagt die 67-Jährige. Um nicht in Zahlungsverzug zu geraten, würden momentan ihre Kinder finanziell aushelfen. 

Sammelklage in Planung

Am 5. Oktober veranstaltete die FPÖ in einem Restaurant in der Großfeldsiedlung das Info-Event "Mietschock" und lockte rund 100 Anrainer – mehr dazu hier.

Im Gespräch mit "Heute" kritisiert FPÖ-Ombudsmann Michael Niegl: "Wir sprechen hier von teilweise 60-prozentigen Mietzinserhöhungen. Genau in jenem sozialen Wohnbau, den die Sozialdemokratie immer als leistbares Wohnen zum Besten gibt." Neben Anfragen und Anträgen im Gemeinderat, rufen die Freiheitlichen zum Rechtsstreit auf. "Wir wollen eine Gruppenklage erreichen und werden dazu die Arbeiterkammer anrufen", macht Niegl klar.

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