Politik

Kanzler schockiert – "schwer erträglich, eine Zumutung"

"Das ist für mich schwer erträglich, das ist eine Zumutung": Bundeskanzler Alexander Schallenberg verurteilt die brutale Gewalt bei den Corona-Demos.

Rene Findenig
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Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) zeigt sich schockiert über die Corona-Demonstrationen.
Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) zeigt sich schockiert über die Corona-Demonstrationen.
GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

In Interviews mit "Krone" und "Kurier" spricht Bundeskanzler Alexander Schallenberg davon, dass die derzeitige Corona-Situation in Österreich dramatisch sei. "Wir hatten im Sommer die Hoffnung, dass sich mehr Menschen impfen, damit sie sich und ihr Umfeld schützen. Leider ist es anders gekommen, trotz der Überzeugungsarbeit der Politik, der Experten und der Medien. Wir erbitten einen Akt der Solidarität von jenen, die geimpft sind, diesen Lockdown mitzutragen. Dass die Freiheitsrechte wieder eingeschränkt werden müssen – glauben Sie mir – das ist auch für mich schwer erträglich. Das ist eine Zumutung", so Schallenberg im "Kurier".

3G am Arbeitsplatz und 2G in der Öffentlichkeit habe gewirkt, so der Kanzler, "doch leider nicht deutlich genug". Zur beschlossenen Impfpflicht sagt er: "Wir alle wollen aus dem Teufelskreis ausbrechen und: Wir haben es in der Hand. Als Bürger müssen wir alle einsehen: Wir haben nicht nur Rechte, sondern tragen auch Verantwortung. Wenn man die Verantwortung nachhaltig negiert, muss sie in einer freien, pluralistischen Gesellschaft zur Pflicht werden."

Schallenberg zu Kickl: "Ich erwarte mir von ihm keine Entschuldigung, es würde schon reichen, wenn er einfach schweigen würde"

"Vieles ist in diesem Land momentan schwer verständlich, und das gehört definitiv dazu", sagt Schallenberg in der "Krone" dazu, dass geimpfte Menschen im Lockdown daheim bleiben müssen, während Tausende großteils ohne Maske und Abstand auf den Straßen gegen die Maßnahmen demonstrieren, und das teils auch mit Gewalt. "Ich bin jemand, der Menschen zusammenführen und verstehen will, der immer das Gespräch sucht. Ich muss sagen, dass ich derzeit gelegentlich an meine Grenzen stoße", so Schallenberg.

Für den Corona-infizierten FPÖ-Chef Herbert Kickl, der Österreich jüngst als "Diktatur" bezeichnete, hat der Kanzler einen Rat: "Ich erwarte mir von ihm keine Entschuldigung, es würde schon reichen, wenn er einfach schweigen würde." Die FPÖ und andere Kräfte würden ein "Attentat auf unser Gesundheitssystem" verbreiten, "das ist ein Grad an Zersetzung und Verantwortungslosigkeit, das einfach fassungslos macht". All diesen Kräften müsse bewusst sein, dass sie mitverantwortlich dafür seien, "dass wir jetzt in dieser Situation sind".

Kanzler zu Maßnahmen: "Ich bedaure daher zutiefst, dass wir diesen Schritt des Lockdowns für alle setzen mussten"

"Wenn aber eine Minderheit für sich in Anspruch nimmt, sich nicht impfen zu lassen, dann landen diese Leute ja trotzdem auf den Intensivstationen und nehmen anderen Patienten die Plätze weg. Die Wut der Geimpften verstehe ich natürlich", so der Kanzler. "Ich bedaure daher zutiefst, dass wir diesen Schritt des Lockdowns für alle setzen mussten", richtet Schallenberg den Geimpften aus, die "alles richtig gemacht" hätten. "Aber letztlich sitzen wir alle in einem Boot, keiner kann sich aus seiner gesellschaftlichen Verpflichtung und Verantwortung ausklinken. Sonst würde das System kippen."

"Natürlich" stimme sich Schallenberg weiter mit seinem Vorgänger Sebastian Kurz ab, heißt es außerdem. "Die Entscheidungen, die wir in Tirol getroffen haben, sind ein gemeinsamer Beschluss der Regierungsparteien, der SPÖ und der Landeshauptleute", sagt Schallenberg auf die Frage, ob auch Kurz für Lockdown und Impfpflicht gewesen sei. Seine dritte Corona-Impfung hat der Kanzler übrigens noch nicht: "Nein, als Genesener habe ich meine erste Impfung erst etwas später bekommen. Die dritte Impfung werde ich um Weihnachten haben."

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    Picturedesk, privat (Montage: "Heute")