Kanzler spricht erstmals über Atomgefahr für Österreich

Karl Nehammer nannte am Sonntag neue Einschätzungen zum Ukraine-Krieg.
Karl Nehammer nannte am Sonntag neue Einschätzungen zum Ukraine-Krieg.GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) befürchtet keine "Rakete Richtung Österreich", bei einem Atomschlag komme es aber auf bestimmte Umstände an.

Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) hat am Sonntag in mehreren Interviews neue Einschätzungen zum Ukraine-Krieg abgegeben. Besonders sauer stößt dem Kanzler auf, dass der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski Österreich vorwerfe, "tote Kinder für russisches Gas in Kauf" zu nehmen, wie er der "Presse am Sonntag" schilderte: "Das war einer der schlimmsten Momente, den man als Kanzler erleben kann, wenn man selbst Familienvater ist. Und es ist trotzdem für mich nicht abänderbar".

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Kanzler "erschüttert" über Vorwürfe

Von den Vorwürfen sei Nehammer "erschüttert" gewesen, hieß es, er trage eine Verantwortung für die Energiesicherheit Österreichs. Außerdem, so der Kanzler, habe sich Wladimir Putin bei Nehammers Moskau-Besuch "von sich aus" für das Gas-Thema ausgesprochen und die Initiative sei nicht von ihm ausgegangen. Und auch wenn es einen russischen Gas-Stopp gebe, der Österreich treffen würde, habe die Bundesregierung "selbstverständlich" einen Plan, wie es weitergehe, wie er auch dem "Kurier" sagte.

Und wie groß sei die Gefahr, dass auch Mitteleuropa in den Ukraine-Krieg hineingezogen werde? "Jeder Tag, den der Krieg länger dauert, erhöht die Gefahr eines großen Krieges", so der Kanzler, aber: "Eine Rakete Richtung Österreich ist nicht zu befürchten." Allerdings äußerte sich Nehammer erstmals zu einer möglichen Atomgefahr für Österreich. Käme es zu einer atomaren Wolke, "kommt es auf das Wetter und die Windrichtung an", so der Kanzler.

Russland habe "kein Interesse" an Frieden

Von russischer Seite sah Nehammer "derzeit kein Interesse" an Friedensgesprächen: "Solang die Waffen sprechen, treten die Gespräche des Friedens in den Hintergrund." Nehammer betonte, es schlügen "zwei Herzen in meiner Brust", was die Lieferung schwerer Waffen etwa von Deutschland in die Ukraine betreffe. Einerseits müssten die Waffen ruhen, andererseits habe Russland aber kein Interesse an Gesprächen und greife die Ukraine weiter an.

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