"Hineindenken in das Schicksal von Flüchtlingen"

Der Kardinal, wie man ihn kennt: gütig lächelnd.
Der Kardinal, wie man ihn kennt: gütig lächelnd.(Bild: Helmut Graf)
Antworten von Kardinal Christoph Schönborn, der den morgigen Weltflüchtlingstag zum Anlass nimmt, an unser Mitgefühl zu erinnern.

Am Samstag ist Weltflüchtlingstag. Die UNO erinnert an die fast 80 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. Ich denke an die Millionen Syrer, die im endlosen Bürgerkrieg alles verloren haben und in Flüchtlingslagern perspektivenlos warten. Oder an die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit sind unter 18! Welches Leben erwartet sie?

Mitfühlen!

Was will die UNO mit dem Weltflüchtlingstag? Moralische Appelle? Damit ist niemandem geholfen. Was kann der Einzelne daran ändern, dass Kriege und Gewalt Menschen zur Flucht nötigen? Eines kann ich immer: Mitfühlen! Mir vorstellen: Wie wäre es, wenn ich heute fliehen müsste? Mich ein wenig hineindenken in das Schicksal von Flüchtlingen. Wir Menschen haben die kostbare Fähigkeit zum Mitgefühl. Und sagen wir nie: Uns kann so etwas nicht passieren! Dass uns Krieg, Vertreibung, Flucht erspart geblieben sind, ist nicht unser Verdienst, sondern ein Geschenk, für das wir nicht genug danken können.

Was also soll der Weltflüchtlingstag? Uns einfach daran erinnern: Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich. Ihr Leid könnte unser Leid sein. Mit-leid mit ihnen macht uns menschlicher.

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