Kardinal Schönborn über Hass und Mitgefühl

Kardinal Schönborn, wie man ihn kennt: gütig lächelnd.
Kardinal Schönborn, wie man ihn kennt: gütig lächelnd.(Bild: Helmut Graf)
Nach der Terror-Attacke Montagabend reflektiert Kardinal Schönborn über das Virus Hass und appelliert an Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. 

Donnerstag Mittag: Vertreter aller Religionen versammeln sich am Hohen Markt. In Stille gehen wir gemeinsam den Weg, den am Montagabend ein junger Mann gerannt ist, um Terror und Tod zu verbreiten. An fünf Stellen hält der Zug inne, da, wo der Attentäter Menschen getötet hat. Überall ein Meer an Kerzen und Blumen. Und Menschen, die da stehen, betroffen, schweigend, betend. Wie kommt ein zwanzigjähriger junger Mann zu solch blind wütendem Hass? Wo hat er dieses todbringende Virus aufgeschnappt?

Die vielen Kerzen an den Stellen, wo unschuldige Menschen aus dem Leben gerissen wurden, haben mir eine gute Botschaft vermittelt. Sie geben mir die Gewissheit, dass in unserem Land das Mitgefühl nicht gestorben ist. Wir haben zwar an der Corona-Pandemie zu leiden, aber das Hass-Virus hat sich noch nicht zu einer Epidemie ausgewachsen. Das zeigt die spontane Anteilnahme so vieler am Leid der Betroffenen. Und der große Einsatz an Hilfsbereitschaft. Und die Polizei, die ihr Leben riskiert für unsere Sicherheit. Und Osama Abu El Hosna und die beiden türkischstämmigen Männer, die sich um den schwer verletzten Polizisten gekümmert haben. Geben wir dem Hass-Virus keine Chance! Gemeinsam schaffen wir das!

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