Karin Bergmann wird Chefin am Burgtheater

Der Direktor ist entlassen, es lebe die Direktorin: Karin Bergmann (60) kommt aus der Pension zurück und übernimmt interimistisch die Leitung des krisengeschüttelten Burgtheaters, nachdem Matthias Hartmann vor wenigen Tagen fristlos entlassen wurde. Hermann Beil (72) wird als "ehrenamtlicher Berater" fungieren.

Der Direktor ist entlassen, es lebe die Direktorin: Karin Bergmann (60) kommt aus der Pension zurück und übernimmt interimistisch die Leitung des , nachdem Matthias Hartmann vor wenigen Tagen fristlos entlassen wurde. Hermann Beil (72) wird als "ehrenamtlicher Berater" fungieren.

Bergmann zeigte sich am Mittwoch von ihrer neuen Rolle als künstlerische Geschäftsführerin des Burgtheaters auf Zeit selbst noch etwas überrascht: "Selten hat man mich in so exponierter Form wie heute erlebt - und ich selbst hätte das vor kurzem auch nicht für möglich gehalten."

Zugleich präsentierte sich die Theatermanagerin durchaus selbstbewusst: "Dass ich heute hier alleine stehe, ist völlig in Ordnung - ich kann das. [...] Alle, die mich kennen, wissen, dass ich kein Notnagel bin. Ich bin eine 1,20 Meter Garderobe, die zehn Haken tragen kann." Sie freue sich dennoch, dass ihr Hermann Beil, bei dem sie viel über Theater gelernt habe, ihr auf Nachfrage zur Seite stehen werde.

"Es muss wieder um andere Dinge gehen"

 Dabei unterstrich Bergmann, dass sie sich des Ernstes der Lage am Haus völlig bewusst sei: "Das Burgtheater ist in einer katastrophalen Situation, wie ich es mir nie hätte vorstellen können." Es gehe nun darum, diese "unglaubliche Krisensituation" möglichst schnell zu bewältigen: "Ich möchte, dass es wieder um andere Dinge geht, wenn man ans Burgtheater denkt."

"Spürte nichts vom System Stantejsky"

Bergmann hatte einst über Jahre auch mit der zum Auftakt der Finanzkrise entlassenen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky zusammen gearbeitet, stellt allerdings in Abrede, von den finanziellen Zuständen zu diesem Zeitpunkt etwas gewusst zu haben: "Von diesem sogenannten System Stantejsky habe ich nicht auch nur das Geringste gespürt."

Wie lange Bergmann konkret am Haus bleiben wird, lässt sich derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Ihr Vertrag läuft jedenfalls bis 30. August 2016. "Sollte die Ausschreibung einen idealen Kandidaten hervorbringen, der früher kann, bin ich aber selbstverständlich bereit, Gespräche zu führen", zeigte sich die Theatermanagerin offen.

An Erfahrung fehlt es weder Bergmann, noch Beil:

Die gebürtige Deutsche Karin Bergmann (60) kam mit Claus Peymann nach Wien, wurde unter Klaus Bachler erst zur Pressesprecherin, dann zur Co-Direktorin ernannt. Sie arbeitete über zwei Jahrzehnte an der Burg. 2008, als Bachler nach Bayern wechselte, wurde sie Hauptverantwortliche im Haus am Ring. Im Sommer 2010 - bereits unter - verabschiedete sie sich in die Pension. Nun wird Bergmann reaktiviert, um die Burg aus der Krise zu führen.

Der gebürtige Wiener Hermann Beil war einst mit seinem langjährigen Vertrauten Claus Peymann ans Burgtheater gekommen. Der heute 72-Jährige fungierte an der Burg als Co-Direktor, bevor er mit Peymann 1999 nach Berlin wechselte.

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Die 60-jährige Theaterexpertin aus Recklinghausen hat mit Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte lang unter drei Direktoren an der "Burg" gearbeitet und das Haus 2008 eigenverantwortlich gemanagt, als Klaus Bachler bereits an der Bayerischen Staatsoper in München tätig war.

Tochter einer Bergarbeiterfamilie

Den Weg ans Theater suchte Bergmann, die 1953 als Kind einer Bergarbeiterfamilie in Recklinghausen im Ruhrgebiet geboren wurde, schon früh. Bereits mit 13 Jahren ging sie regelmäßig ins Theater, sprach mit 15 mutig bei den Ruhrfestspielen vor. Dort legte man ihr erst den Schulabschluss nahe, den sie schließlich im zweiten Bildungsweg nachholte. Am Bochumer Schauspielhaus verpasste sie als leidenschaftliche Theaterbesucherin unter Peter Zadek keine Inszenierung. Ebendort sollte sich ihr Traum, ans Theater zu gehen, 1979 mit einem Job als Direktionsassistentin Claus Peymann erfüllen.

Mit Peymann nach Wien

Nach vier Jahren in Bochum und weiteren vier Jahren Pressearbeit im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg bei den Intendanten Niels-Peter Rudolph und Peter Zadek folgte Bergmann dem neuen Burgtheater-Direktor Peymann schließlich 1986 als dessen Pressesprecherin nach Wien. Skandale wie das legendäre Interview André Müllers mit Peymann, die berüchtigte Uraufführung von Thomas Bernhards "Heldenplatz" und bitteren Ensemblestreit erlebte sie hautnah mit und wehrte sie vom Pressebüro aus ab.

Musical-Karriere

Der Wunsch nach Neuorientierung führte sie 1993 auf Ruf von Vereinigte-Bühnen-Wien-Intendant Rudi Klausnitzer als Pressesprecherin und Direktionsmitglied in die Musical-Welt, ehe sie ab 1996 die gleichen Funktionen an der Volksoper bekleidete. Der Zufall sollte sie bald wieder an die "Burg" führen: Ausgerechnet Klaus Bachler, der sie an die Volksoper geholt hatte, sollte 1999 neuer Burgtheater-Direktor werden - und Bergmann mit ihm gehen. Zehn Jahre lang war sie als seine Stellvertreterin tätig, rief u.a. die Regieassistenten-Schiene "Spieltriebe" ins Leben und führte den Betrieb in der Saison 2008/2009, als Bachler bereits ein Jahr vor Vertragsende an die Bayerische Staatsoper in München ging, eigenverantwortlich, ohne den Posten offiziell zu bekleiden. Im November 2009 sorgte sie für Aufsehen, als sie Studierenden im Rahmen der Studentenproteste erlaubte, eine Vorstellung zu unterbrechen, um ihre Forderungen zu verlesen.

Mit jenem Direktoren-Duo, das für die derzeitig brodelnde Burgtheater-Krise verantwortlich gemacht wird, hatte Bergmann in ihren letzten Jahren an der "Burg" noch zu tun: Silvia Stantejsky wurde 2008 zur kaufmännischen Geschäftsführerin bestellt, Matthias Hartmann trat die Bachler-Nachfolge 2009 an. Nach nur einer Saison als dessen Stellvertreterin verabschiedete sich Bergmann im Sommer 2010 in die Pension, an Umstimmigkeiten mit Hartmann habe das aber nicht gelegen, betonte sie stets.

Mit Architekt Blau liiert

Bergmann habe das Haus damals gut übergeben wollen, deutete im "Falter"-Abschiedsinterview aber auch an, sich keinem weiteren Direktor beugen zu wollen. "Damals habe ich vielleicht schon zu selbstständig gearbeitet, als dass ich mir jetzt auf Dauer vorstellen könnte, mich noch einmal ganz neu anzupassen", so Bergmann, die seit 27 Jahren mit dem Architekten Luigi Blau liiert und seit sechs Jahren mit ihm verheiratet ist. Den Traum, einmal selbst an der Spitze eines Theaters zu stehen, hatte sie sich damals bereits auf dem Kopf geschlagen. "Ich war immer so ein starker Zweiter." Zuletzt organisierte sie im vergangenen Herbst anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums den Burgtheater-Jubiläumskongress und freute sich, dafür alle fünf Direktoren der vergangenen 42 Jahre von Gerhard Klingenberg bis Hartmann versammelt zu haben.

2014 steht sie nun selbst in der ersten Reihe: Nach der fristlosen Entlassung von Hartmann holt Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) die 60-Jährige als interimistische Direktorin mit einem Vertrag bis 30. August 2016 ans Burgtheater und macht sie damit (zumindest vorübergehend) zur ersten Frau an der Spitze des Hauses. Mit dem langjährigen Peymann-Vertrauten Hermann Beil, der ihr als "ehrenamtlicher Berater" zur Seite steht, arbeitete sie bereits in Bochum und Wien. Bergmann erfülle alle Kriterien, verfüge über organisatorische Fähigkeiten und müsse nun die "gewisse Kluft, die es im Ensemble gibt, kitten", sagt Ostermayer. Die Voraussetzungen sind gut: Als der Minister mit Bergmann vor das Ensemble trat, habe es tosenden Applaus gegeben.

APA/red.

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