Sorge um Erdäpfel wegen aggressivem Schädling

Im Vorjahr musste ein Viertel der heimischen Kartoffelernte vernichtet werden. Diese war vom Drahtwurm so beschädigt, dass sie nicht verkauft werden konnte.
2018 war kein gutes Jahr für die heimische Kartoffelernte. Zum einen war die Witterung zu extrem, zum anderen hat der Drahtwurm ein Viertel der Gesamternte befallen und sie unbrauchbar gemacht. Die Folgen sind verheerend: Bald könnte es im Supermarktregal keine heimischen Kartoffeln mehr geben - sie müssten importiert werden.



Durchschnittlich ernten Österreichs Kartoffelbauern 450.000 Tonnen pro Jahr, davon kommen rund 80 Prozent aus Niederösterreich. Der Befall durch den Drahtwurm forderte die Vernichtung von 112.500 Tonnen, schätzt die dortige Landwirtschaftskammer (LK). Eine Menge, die reichen würde, um 2,25 Millionen Österreicher ein Jahr lang mit Kartoffeln zu versorgen.

Der erhebliche Ernteschaden hat eine rege Diskussion um Pflanzenschutzmittel entfacht. Wegen der verhängten Verbote in den vergangenen Jahren hatten die Bauern kein regulär zugelassenes Mittel zur Schädlingsbekämpfung zur Verfügung - der Drahtwurm hatte also freie Bahn. Die Bio-Landwirtschaft hat es am stärksten getroffen.

Als Drahtwurm werden die Larven von Käfern aus der Familie der Schnellkäfer bezeichnet.

Die Larven einiger Arten dieser Käferfamilie gelten als Schädlinge im Forst, in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Sie fressen unterirdisch an den Wurzeln von jungen Pflanzen und Sämlingen. In der Landwirtschaft können sie an unterirdischen Pflanzenteilen von Getreide, Mais, Hackfrüchten, Leguminosen große Schäden verursachen.
"Land schafft Leben"-Obmann Hannes Royer zeigt sich besorgt: "Wir Konsumenten wünschen uns weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, auch abseits von Bio. Das führte 2018 in Österreich dazu, dass ein Großteil der Erdäpfel-Ernte vom Drahtwurm befallen war und vernichtet werden musste. Wenn es heuer im Frühjahr keine heimischen Kartoffeln mehr gibt, hören wir allerdings nicht auf, Chips oder Kartoffelsalat zu essen. Woher die Kartoffeln dafür dann kommen, hinterfragen wir meist nicht."

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Nicht nur in Österreich gilt die Kartoffel als das wichtigste Grundnahrungsmittel. Auf einen Österreicher kommen etwa ein Kilo pro Woche, das sind 52 Kilo pro Jahr. Hinzu kommen weitere 5,6 Kilo, die wir pro Jahr in Form von Kartoffelstärke essen, beispielsweise in Fertiggerichten, Konserven, Backwaren, Süßigkeiten und Co.

15 Prozent der Kartoffelfelder werden biologisch bewirtschaftet. Im Supermarkt landen davon jedoch nur 10 Prozent, die restlichen Bio-Kartoffeln werden exportiert. Die Kartoffel ist ein besonders nährstoffreiches Lebensmittel und eine wertvolle Kohlehydratquelle. Häufig wird sie als "Dickmacher" verschrien - das stimmt so jedoch nicht.

Die Kartoffel enhält nur halb so viele Kalorien wie Reis, Brot und Nudeln. Erst durch ihre Verarbeitung zu Chips und Pommes frites wird ihr enorm viel Fett zugesetzt. In dieser Form kann sie bei übermäßigem Konsum durchaus dick machen. Der Trend des Kartoffelkonsums aber geht gerade eben hin zu verarbeiteten Lebensmitteln wie Chips und Pommes.



Werden Kartoffeln über 120 Grad erhitzt, entsteht der Stoff Acrylamid. Dieser gilt als "wahrscheinlich krebserregend" und führte zur kontroversen "Pommes-Verordnung", die niedrigere Grenzwerte und eine strengere Vorgaben zur Verarbeitung vorschreibt - "Heute" berichtete.

Acrylamid lässt sich durch die richtige Zubereitung aber vermeiden. Beispielsweise kann es beim Kochen der Kartoffeln in Wasser gar nicht erst entstehen. Will man die Kartoffeln im Backrohr zubereiten, empfiehlt es sich, sie vorzukochen und nass zu machen, da der riskante Stoff vor allem bei Hitze und Trockenheit entsteht.



(rfr)

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