Untersuchungen rund um das Beschaffungsportal "Equip4Ordi", Handgreiflichkeiten in einer Sitzung, die Forderung nach dem Rücktritt von Präsident Johannes Steinhart: Die Wiener Ärztekammer kommt nicht aus den Schlagzeilen - wir berichteten.
Nun wandten sich sieben Präsidenten der Landesärztekammern an das Wiener Präsidium. In einem offenen Brief zeigen sie sich geschockt von den Vorfällen: "Tief erschüttert über die Art und Weise, wie derzeit die Wiener Landesärztekammer einen Streit in der Öffentlichkeit austrägt, erlauben wir uns als Präsidenten der übrigen Landesärztekammern Sie aufzufordern, Ihr Verhalten zu reflektieren und zu überdenken", heißt es zu Beginn des Briefes.
Man solle zur politischen Arbeit zurückkehren und die demokratischen Gremien ihre Sacharbeit leisten lassen. Parteistellung wolle man in diesem Konflikt keine beziehen, wird betont. Der Grund: "Weder können wir beurteilen, was von der öffentlichen Vorverurteilung von Präsident Steinhart letztendlich gerichtlich bestätigt wird. Noch können wir beurteilen, welche der kolportierten Missachtungen der Geschäftsordnung in den Sitzungen tatsächlich rechtlich inkorrekt waren."
Vielmehr gehe es darum, dass mit dem "über die Öffentlichkeit ausgetragenen Streit" der Reputation aller Österreichischen Kammern und dem Ansehen der gesamten Ärzteschaft "immens geschadet wird". "In der öffentlichen Wahrnehmung sorgen Sie alle für ein katastrophales Bild der Ärztekammern als Ganzes, die Mehrheit der Österreicherinnen nimmt uns nicht differenziert als Länderkammern wahr."
Die sieben Ärzte fordern in ihrem Brief "vernünftige und demokratische" Lösungen für den Konflikt. Er sei nur zu bewältigen, wenn alle einen Schritt zurück machen, zur Sachlichkeit finden und nicht weiter "eskalieren" würden, heißt es abschließend. Nach einer Einigung sieht es derzeit jedoch nicht aus - die Rücktrittsforderung gegen Steinhart steht weiter im Raum, dieser zeigt sich davon "unbeeindruckt" und will die Staatsanwaltschaft arbeiten lassen.