Zwei Zürcher Schulhäuser verbieten ab dem 2. Mai das Fußballspielen auf ihren Schulhöfen. Das Verbot tritt somit ein, sobald die Primarschüler nach den Osterferien in die Klassenzimmer zurückkehren. Dies berichtet die "NZZ". Die Eltern der Schulhäuser Borrweg und Friesenberg, die zur Schule am Uetliberg gehören, haben noch vor den Ferien von der Schulleitung ein Schreiben erhalten. Darin stehe, dass das Fußballspielen in den Pausen einen Monat lang verboten sein wird.
In einer E-Mail, die der NZZ vorliegt, heißt es: "Unser Mai ist fußballfrei." Die Schulen hätten sich gemäß dem Schreiben zu diesem Schritt entschlossen, weil das Fußballspielen regelmäßig zu Konflikten geführt habe. "Die Kinder haben sich im Hooligan-Stil runtergemacht und sind nach der Pause mit Schlachtgesängen in die Schulhäuser eingezogen", sagt Martin Gehrig, Schulleiter der Schule Am Uetliberg. Außerdem soll der Fußball dazu geführt haben, dass sich die Kinder gegenseitig beleidigt hätten. Die Schulleitung befürchtet, dass die Kinder das Hooligan-Verhalten bei Fans im Stadion abschauen und es in der Schule nachmachen.
Die Schule habe mit mehreren Maßnahmen versucht, das Problem zu lösen. So sei unter anderem ein Ampelsystem eingeführt worden, sagt der Schulleiter. Doch nichts habe langfristig gewirkt, sodass sich die Schule entschlossen habe, den Pausen-Fußball temporär zu verbieten. "Uns blutet das Herz", sagt der Schulleiter gemäß der Zeitung weiter und betont, man sei eine sehr sportfreundliche Schule und habe vom Kanton Zürich das Label "für eine sportfreundliche Schulkultur" erhalten.
„"Was sollen die Kinder denn machen, wenn sie nicht mal mehr Fußball spielen dürfen?"“
Erziehungs- und Konfliktberaterin Karin Knecht kann den Entscheid nicht nachvollziehen. Zu "20 Minuten" sagt sie: "Mit dieser Maßnahme hat die Schulleitung völlig überreagiert. Sie signalisiert den Kindern: "Ihr seid alles Störenfriede! Was sollen die Kinder denn machen, wenn sie nicht mal mehr Fußball spielen dürfen?" Gerade jetzt, wo die Schüler und Schülerinnen nach Corona endlich wieder Kontaktsport treiben dürften und es doch so wichtig sei, dass sich die Kinder bewegten.
Knecht schlägt vor, Schulsozialarbeiterinnen und -Arbeiter mit einzubeziehen und gemeinsam mit Lehrern und Schülern etwa im Klassenrat über die Hooliganproblematik zu sprechen. Ansonsten riskiere man, dass sich die Fronten zwischen Schülern und Lehrerschaft verhärteten.
Tatsächlich will die Schule nach den Osterferien mit den Kindern thematisieren, dass im Fußball Fairplay und Werte wie Respekt, Toleranz und Akzeptanz eine Rolle spielen. Sogar die Fansozialarbeit der Zürcher Fußballklubs will die Schule zurate ziehen, um das Verhalten der Kinder bei und nach dem Fußballspielen zu ändern. Hat dies Erfolg, soll der Ball im Juni wieder rollen.