(K)eine Pflanzerei! Hier gehen Wiens Bäume zur Schule

In der Baumschule Mauerbach wachsen die Bäume für Wiens Straßen und Parks. 18.000 Bäume werden im Forstbetrieb der Wiener Stadtgärten "aufgeschult“. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Stadtgartendirektor Rainer Weisgram und Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner machten nun einen Schulbesuch.
In der Baumschule Mauerbach wachsen die Bäume für Wiens Straßen und Parks. 18.000 Bäume werden im Forstbetrieb der Wiener Stadtgärten "aufgeschult“. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Stadtgartendirektor Rainer Weisgram und Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner machten nun einen Schulbesuch.Denise Auer
In der Baumschule Mauerbach wachsen auf 180.000 m2 die Bäume für Wien. Stadtrat Czernohorszky war nun auf Schulbesuch und verrät, was gepflanzt wird.

Durchgängig Präsenzunterricht, keine Masken- und Testpflicht, auch das Lüften entfällt: Für die 18.000 Schüler der Baumschule Mauerbach gelten die Corona-Regeln für Bildungseinrichtungen nicht. Auch mit dem Mindestabstand gibt es kein Problem, das Areal in Penzing ist 180.000 m2 groß.

Die Wiener Stadtgärten verwalten rund 500.000 Bäume und allein heuer werden bis zu 4.500 Bäume neu gepflanzt. In der Baumschule Mauerbach wachsen die Bäume für Wiens Straßen und Parks. Auf dem 180.000 m2 großen Gelände wird das Grün für die Stadt herangezüchtet, bis es für seinen Einsatz bereit ist.

Jährlich verlassen 4.500 Bäume nach mindestens zehn Jahren Aufschulung das Areal, werden an Straßen und in Parks gepflanzt und sorgen so für Kühle und frische Luft im Großstadtdschungel. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (beide SPÖ) statteten nun der Abschlussklasse einen Besuch ab.

"Mehr als die Hälfte der Fläche in Wien ist Grünraum. Das wollen wir noch weiter ausbauen. Neben den vielen Stadtbäumen schaffen wir in den kommenden Jahren große neue Grünflächen. Bis 2025 entstehen allein durch neue Parkflächen 400.000 m² neues Grün und 25.000 Stadtbäume werden gepflanzt. Mit dieser Grünraumoffensive sorgen wir für mehr Erholungsräume und ein besseres Stadtklima und steigern so die Lebensqualität für die Wienerinnen und Wiener", sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

Mit zehn Jahren verlassen die Pflanzen die Baumschule

Der große Forstbetrieb liegt im Wienerwald in einem Gebiet, das sich durch besonders große Niederschlagsmengen auszeichnet. In einer Baumschule werden Gehölze aufgeschult (angepflanzt) und anschließend über Jahre herangezogen. Während dieser Zeit wird ein Baum alle zwei Jahre verschult (Wurzeln werden auf eine Ballengröße von 60 bis 80 cm geschnitten). Ein Baum ist mindestens zehn Jahre alt, wenn er die Baumschule verlässt. Derzeit werden über 18.000 Bäume aufgeschult, verschult und für die Auslieferung gegraben. Jedes Jahr ist es dann für rund 4.500 Bäume soweit, dass sie an ihren neuen Standorten in Wien ausgepflanzt werden können.

30 Baumarten sind im Sortiment, für Baumsubstrat hat Wien Patent

Gemeinsam mit nationalen und internationalen ExpertInnen haben die Wiener Stadtgärten in den letzten Jahren eine Liste jener Baumarten erarbeitet, die mit den besonderen Gegebenheiten einer Stadt gut zurechtkommen: Nämlich den erhöhten Stressfaktoren durch Verkehr, Bodenverdichtung, eingeklemmte Wurzeln, Erschütterungen und auch durch die Abstrahlhitze von Glas- und Betonflächen sowie den vermehrten Hitzetagen – einer Folge des spürbaren Klimawandels. Insgesamt finden sich im Baumsortiment der Wiener Stadtgärten rund 30 Bäume.

Bei Pflanzung von Jungbäumen (im Straßenbereich) wird ein von den Wiener Stadtgärten, gemeinsam mit Wissenschaftlern entwickeltes Baumsubstrat eingesetzt. Dieses besteht aus organischen und mineralischen Substanzen, die eine verbesserte Wasserspeicherfähigkeit und gute Durchlüftung garantieren, und wird von den Wiener Stadtgärten selbst hergestellt. Für das "Wiener Baumsubstrat für Straßenbäume" wurde den Wiener Stadtgärten ein Patent erteilt.

Das sind die Hauptbaumarten in Wien:

Acer campestre in Sorten, Feldahorn

Celtis australis, südlicher Zürgel-Baum

Fraxinus pennsylvanica in Sorten, Rot-Esche oder Pensylvanische Esche

Fraxinus ornus „Obelisk“, Säulenförmige Blumenesche

Gleditsia triacanthos „Skyline“, Dornenloser Lederhülsenbaum

Platanus orientalis „Minaret“, Orientalische Säulenplatane

Pyrus calleryana „Chanticleer“, Zierbirne

Styphnolobium japonica in Sorten, Japanischer Schnurbaum

Tilia tomentosa „Brabant“, Ungarische Silberlinde

Ulmus x „Columella“, Säulenulme

Ulmus x „New Horizon“, Resistente Ulme

Baumschule bietet kostenlose Führungen an

Das Thema Umwelt- und Klimabildung ist Czernohorszky ein besonderes Anliegen: "Klimabildung – also das Wissen um die Zusammenhänge rund um unsere Umwelt, die Biodiversität und unser Klima – ist enorm wichtig, um selbst aktiv zu werden und zum Klimaschutz beizutragen."

Von Juni bis September können in der Baumschule Mauerbach kostenlose Führungen gebucht werden. Im Rahmen eines Rundganges durch die Baumschule zum Thema „Die Geburt eines Stadtbaums“ werden die einzelnen Wachstumsstufen der Bäume näher erörtert. Anhand praktischer Beispiele wird die Bedeutung eines Baumes für eine Großstadt wie Wien erklärt. Die Teilnehmer lernen wichtige Bestandteile unseres Ökosystems kennen.

Führungen finden von Juni bis Ende September 2021 statt und dauern circa 1,5 Stunden. Anmeldung (Gruppen ab 5 Personen) unter Telefon: +43 1 4000-42048, Montag bis Freitag zwischen 7 und 14 Uhr.

Die Eckdaten

Rund 18.000 Bäume werden derzeit in der Baumschule aufgeschult.

Größe: 18,5 ha mitten im Biosphärenpark Wienerwald sowie Wasserschutzgebiet

Adresse: 14., Mauerbachstraße 66

Die Geschichte

Im Jahr 1969 wurde den Wiener Stadtgärten ein ehemaliger Forstjungpflanzenbetrieb in Mauerbach zur Nutzung angeboten. Zu diesem Zeitpunkt wurde die damalige Baumschule Albern abgesiedelt und auf einer Fläche von rund 5 ha eine neue Baumschule im Wienerwald geschaffen, auch deshalb, weil die klimatischen Verhältnisse (zwischen 600 und 800 mm Niederschlag/Jahr) entsprechend gut waren. In den Folgejahren wurden weitere Flächen zugekauft und so beläuft sich die heutige Produktionsfläche auf 18,5 ha.

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