Kein Rücktritt: Islands Premier macht nur Pause

Nach den Medienberichten über die Panama Papers hat Islands Regierungschef Konsequenzen gezogen. Doch anders als zunächst berichtet, wird er nicht zurücktreten, sondern sein Amt nur vorübergehend zurücklegen. Reue für die zwielichtigen Bankgeschäfte, deren er verdächtigt wird, zeigte er bislang nicht.

Nach den Medienberichten über die Panama Papers hat  die Konsequenzen gezogen. Doch anders als zunächst berichtet, wird er nicht zurücktreten, sondern sein Amt nur vorübergehend zurücklegen. Reue für die zwielichtigen Bankgeschäfte, deren er verdächtigt wird, zeigte er bislang nicht.

Sigmundur David Gunnlaugsson, dessen Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln enthüllt wurde, habe nur vorgeschlagen, dass sein Stellvertreter Ingi Jóhannsson vorübergehend sein Amt übernimmt. Seinen Kritikern ist das zu wenig. Der Rücktritt des Premiers wird von Islands Oppositionsparteien gefordert, inklusive Misstrauensantrag und Online-Petition.

Der Name des Premiers und dessen Frau war in Verbindung mit den "" aufgetaucht. Reue zeigte er jedoch keine, denn er betont, dass seine Frau stets korrekt Steuern bezahlt habe.

Proteste

Am Montagabend hatten 10.000 Isländer bereits gegen Gunnlaugsson protestiert. Sie forderten seinen Rücktritt. Die brisanten Unterlagen aus Panama sollen Informationen über eine Offshore-Firma namens "Wintris" auf den Britischen Jungferninseln enthalten, die Gunnlaugssons Frau gehört - er hatte ihr diese im Jahr 2009 um einen Dollar verkauft und Millionenbeträge nicht versteuert. Der Politiker wies die Vorwürfe zurück.

Einer der prominentesten Fälle der Panama-Leaks spielt sich mit Island just in einem Land ab, das erst vor Jahren hart von der Finanzkrise erschüttert worden ist.
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Wie soll Mossack Fonseca vorgegangen sein?

Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, ein Offshore-Dienstleister mit Sitz in Panama, soll in Dutzenden Büros weltweit von Zürich über London bis Hongkong Briefkastenfirmen verkauft haben. Für schon 1.000 Dollar bekommt man eine anonyme Firma, die Mossack Fonseca gegen einen Aufpreis mit Scheindirektoren ausstattet und den oder die wahren Inhaber der Aktien dieser Firma verschleiert.

Wer steht auf der Liste?

Die mehr als elf Millionen Dokumente der Finanzkanzlei enthalten bekannte Namen. Die Spuren aus Panama führen zu den Reichen und Mächtigen, zu Prominenten und Schwerverbrechern. Ministerpräsidenten sollen ebenso auf der Liste stehen, wie Drogenbarone und Unternehmen mit Verbindungen zu terroristischen Organisationen. Auch Fußballstar Lionel Messi und der frühere Uefa-Boss Michel Platini werden genannt.

Was hat das Ganze mit Banken zu tun?

Auch zahlreiche Banken sollen verstrickt sein. Neben deutschen und Schweizer Banken wie der Commerzbank tauchen auch zwei österreichische Banken immer wieder auf: Raiffeisenbank International und die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank (Hypo Vorarlberg). Auch sie sollen an einigen undurchsichtigen Kontengeflechten und Verbindungen mit Briefkastenfirmen beteiligt sein.

Warum ausgerechnet Panama?

Panamagilt als einer der wichtigsten Finanzplätze Lateinamerikas. Ein äußerst liberales Bankengesetz lockt seit langem schon zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika. Die Finanzkrise ging an Panama weitgehend vorbei und brachte dem Finanzplatz sogar zusätzliche Investitionen. Nachdem sich die Schweiz zuletzt von ihrem Bankgeheimnis verabschiedet hatte, galt Panama vielen als neue Steueroase – niedrige Steuersätze und keine strafrechtliche Verfolgung aus steuerrechtlichen Gründen.

 

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