Seit rund sechs Jahrzehnten wohnt Erika M. (89) in einer Gemeindewohnung in Wien-Liesing. Die ehemalige Hausfrau bezieht eine Mindestpension, hielt die Wohnung stets gut in Schuss, ist nun aber gesundheitlich angeschlagen und teils bettlägerig.
Bereits vor 30 Jahren hatte sie sich eine Therme einbauen lassen, nach drei Jahrzehnten gab die Vaillant-Therme indes den Geist auf. Die 89-Jährige war somit wochenlang ohne warmes Wasser, ihr guter Bekannter Jann Z. (68) aus dem Bezirk Korneuburg nahm schließlich das Heft in die Hand.
Doch "Wiener Wohnen" verweigerte anfangs die Übernahme der Kosten für eine neue Therme. Also entschied sich die Pensionistin, eine neue Therme einbauen zu lassen. Eine Firma aus NÖ installierte am 23. Juli 2023 das neue Gerät. Die Kosten für Therme samt zwei Stunden Einbau: 5.791,20 Euro. "Gut, sie wollte halt wieder ein Vaillant-Gerät haben", so der 68-Jährige. Fürs Gerät stellte die Installationsfirma 3.230 Euro in Rechnung, 1.180 Euro für die Montage und Demontage - in Summe somit knapp 5.800 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für den Rauchfangkehrer.
"Ein Wahnsinn für eine Mindestrentnerin", meint auch Gabriele Z. (58), die Frau des 68-Jährigen, die sich mehrmals in der Woche liebevoll um die alte Dame kümmert. Beim "Heute"-Besuch lag Erika M. (89) im Bett, Gabi Z., die selbst im Gesundheitsbereich arbeitet, war sofort nach Dienstende im Bezirk Mistelbach nach Wien gefahren, um sich um die 89-Jährige zu kümmern.
Jann Z. schrieb "Wiener Wohnen" mehrmals wegen einer etwaigen Übernahme der Kosten an, bekam zuletzt als Antwort (Anm.: Mailverkehr liegt "Heute" vor): "Hiermit wird Ihnen nochmals und letztmalig mitgeteilt, dass die Kombitherme von Ihnen montiert/installiert wurde und daher auch in Ihrer Erhaltung liegt. Daher müssen Sie selbst die Reparatur veranlassen und bezahlen. Danach können Sie uns, zwecks Prüfung eines Kostenrückersatzes, die Rechnung inklusive Zahlungsbestätigung schicken. Als Kostenrückersatz kann Ihnen nur der Warmwasseranteil rückerstattet werden."
Jann Z. (68) ist fassungslos: "Die Therme hebt ja den Wert der Wohnung, Frau M. lebt vielleicht noch ein paar Jahre. Ich verstehe nicht, dass hier so mit einer alten Dame umgesprungen wird." Und der 68-Jährige bleibt dabei: "1.200 Euro für zwei Arbeitsstunden kann ich nicht nachvollziehen."
Der Installationsbetrieb aus NÖ rechtfertigte den Preis von knapp 1.200 € für zwei Stunden Arbeit vor Ort wie folgt: "Die Arbeitszeitkosten umfassen nicht nur die eigentliche Installation des Geräts, sondern auch die Vorbereitung, den Transport, die Anpassungen an die örtlichen Gegebenheiten, eventuelle Zusatzarbeiten und die Inbetriebnahme. Diese Kosten setzen sich aus dem Fachwissen und den Fähigkeiten unserer Monteure zusammen, die sicherstellen, dass das Gerät ordnungsgemäß und effizient installiert wird. Die Gesamtrechnung beinhaltet nicht nur die Kosten für das Gerät selbst, sondern auch für die Materialien, die für die Installation benötigt wurden, Anfahrtskosten, die Abstimmung mit dem Kunden, die Beratung vor Ort und die Gewährleistung einer einwandfreien Funktion des Systems."
Zum Preis des Geräts (Vaillant atmoTEC VCW AT 174/4-5 A, 17 kW) und dass das Gerät womöglich günstiger zu beziehen gewesen wäre, meinte der Chef des Fachbetriebes: "Der Preis für das Gerät kann je nach Händler, Lieferbedingungen und zusätzlichen Leistungen variieren. Leider deckt der Preis des Geräts selbst nicht alle Kosten ab, die mit der professionellen Installation und den dazugehörigen Dienstleistungen verbunden sind. Bei den von Ihnen genannten Geräten aus dem Internet kommt es für uns als Fachfirma zu Problemen mit der Garantie/Gewährleistung, weshalb wir die Geräte nur direkt von Vaillant beziehen. Der unverbindliche Verkaufspreis (UVP) für das Gerät liegt bei 3.987,60 Euro. Außerdem handelt es sich bei Geräten aus dem Internet oftmals leider um B-Ware/Ausschussware. Bei Gasgeräten besteht aufgrund unprofessioneller Installation oder minderwertiger Produkte von ungeprüften Händlern Lebensgefahr. Eine fehlerhafte Installation von diesen minderwertigen Produkten kann zu Gaslecks oder anderen gefährlichen Situationen führen. Deshalb empfehlen wir dringend, diese nur direkt beim Hersteller zu beziehen!"