Keine Arme, keine Beine – er fährt im 334-PS-Boliden

Janis McDavid gibt im 334-PS-Boliden Gas
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Janis McDavid wurde ohne Arme und Beine geboren, doch davon lässt er sich nicht stoppen. Im 334-PS-Renner düst er über den Hockenheimring.

Der 29-Jährige mag die Herausforderung. In seinem Leben ist er bereits von Namibia über Indonesien bis Peru gereist. In einem Mercedes Sprinter. Und das ohne Arme und Beine. "Ich hatte immer zum Ziel, dass meine fehlenden Arme und Beine keine Ausrede für irgendwas sein dürfen", erklärt er der "Bild". "Ich war immer so eingestellt, dass ich dachte: Was können wir noch versuchen?"

Seine letzte gemeisterte Herausforderung: im Rennwagen über den Hockenheimring brettern. Im Rahmen des DTM-Saisonfinales absolvierte der gebürtige Hamburger einige Runden im 334 PS starken BMW M3 E46. Wie das möglich ist? Mit Drive-by-Wire-Technologie. Roland Arnold, Gründer und Geschäftsführer der Paravan GmbH, hat den Boliden speziell für McDavids Bedürfnisse umgebaut und erklärt: "Wir lenken, bremsen und beschleunigen über Kabel. Janis hat im Auto einen Vier-Wege-Joystick, den er sich unter die Achsel klemmt." Nach vorne zum Bremsen, nach hinten zum Beschleunigen, nach links und rechts zum Lenken.

McDavid fährt am Hockenheimring unter Anleitung von Fahrlehrer Ralf Buhmann, vor ihm gibt DTM-Rekordchampion Bernd Schneider im Mercedes AMG GTS die Linie vor. McDavid ist ehrgeizig und meint: "Die Parabolica geht gut. Was mir Schwierigkeiten macht, ist die Sachs-Kurve." Nachsatz: "In diesem Rennwagen zu sitzen, ist pures Glück für mich."

Sein Leben war nicht immer einfach. Mit acht Jahren sei ihm erstmals bewusst geworden, dass er anders ist als andere Kinder. "Da war mir dann furchtbar peinlich, dass ich anderen Leuten erzählt habe, dass ich mal Motorradpolizist werde. Ich wollte diesen Körper nicht, ich wollte so nicht leben, ich wollte nicht, dass andere sehen, wie ich mich bewege. Ich habe einen Kampf gegen mich selbst geführt, ungefähr neun Jahre lang."

Später beschloss er, seinen Körper anzunehmen. "Das war die Kehrtwende. Zu sagen: Na und? Was kann ich aus meinem Leben rausholen? Welche Grenzen können wir austesten?" Seither ist der 29-Jährige 320.000 Kilometer mit seinem Kleinbus durch die Welt gefahren. "Mein Auto ist mein Ein und Alles. Ich hatte als Kind immer den Wunsch, Auto zu fahren. Du willst unbedingt unabhängig sein, nicht ständig die Eltern fragen müssen, ob sie dich fahren."

Mit seinem Auftritt auf der Rennstrecke macht er Werbung für behindertenfreundliche Technologie in Autos. Ex-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug meint dazu: "Ich glaube, dass der Rennsport solche Themen besetzen muss. Neue Technologien, synthetische Kraftstoffe – dass man ein 500-PS-Auto klimaneutral bewegen kann. Das unterstütze ich sehr gerne."

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