Arbeiterkammer-Check

Kekse für Kinder im Test als Zuckerfallen entlarvt

Konsumentenschützer der Arbeiterkammer OÖ haben jetzt 66 Kinderkekse unter die Lupe genommen – das Resultat des Tests stößt sauer auf.

Newsdesk Heute
Kekse für Kinder im Test als Zuckerfallen entlarvt
Viele Produkte werden an Kinder vermarktet, enthalten aber zu viel Zucker.
Getty Images (Symbolbild)

Bunte Verpackungen, niedliche Tierchen und süße Früchte: Die Supermarktregale sind voll mit Keksen, deren Aufmachung sich gezielt an Kinder richtet. Zahlreiche dieser Produkte zeichnen sich vor allem durch einen hohen Zuckergehalt aus, um Kinder zu locken. So mancher getestete Babykeks enthält mehr Zucker als vergleichbare Produkte für andere Altersgruppen oder ohne Altersangaben.

Das ist jedoch kritisch für die frühkindliche Geschmacksprägung. Dazu kann übermäßiger Konsum von klein weg im späteren Leben zu Fehlernährung sowie ernährungsbedingten Erkrankungen wie Karies, Übergewicht oder Fettleibigkeit führen. 

Nichtsdestotrotz tummelt sich in den Supermarktregalen jede Menge Süßes für Kinder. Alleine in der Kategorie "Kekse" fanden die Konsumentenschützer 66 Produkte, deren Aufschrift, Verpackung oder Platzierung sich gezielt an Babys bzw. Kinder richtet. Die Kosten dafür: 0,69 bis 5,63 Euro pro 100 Gramm.

Viele Kekse vor allem für Babys nicht empfehlenswert

Zwölf der getesteten Kekse werden von den Herstellern dezidiert für Kinder unter einem Jahr beworben. Laut der österreichischen Beikostempfehlungen sollte im gesamten ersten Lebensjahr auf zugesetzten Zucker verzichtet werden. Doch ein Blick auf die Zutatenverzeichnisse zeigt: Bei drei Produkten ist klassischer Haushaltszucker zugesetzt, in den restlichen Keksen versteckt sich freier Zucker in Form diverser Saftkonzentrate oder Reissirup.

Die Keks-Stangen von Bebivita enthalten mit über 20 Prozent Zucker sogar etwa gleich viel wie herkömmliche Butterkekse. Drei Produkte beinhalten zudem noch Aromastoffe. Auch diese haben in Babykost nichts zu suchen.

Kleinkinder im Visier der Marken

Nach dem ersten Geburtstag muss der Zuckerkonsum nicht mehr ganz so drastisch eingeschränkt werden. Laut WHO-Empfehlungen dürfen Kinder im Alter von ein bis drei Jahren bis zu 30 Gramm freien Zucker pro Tag aufnehmen. Für Vier- bis Sechsjährige sind es circa 35 Gramm. Im Test sind sieben Erzeugnisse für Kleinkinder ab zwölf bzw. 15 Monaten ausgelobt und beinhalten knapp zehn bis 16 Prozent Zucker. Zehn weitere Produkte sind laut Herstellerangaben speziell für Drei- bis Vierjährige konzipiert und bestehen zu 13 Prozent bis etwa einem Drittel aus Zucker.

37 weitere Produkte richten sich durch Design oder Regalplatzierung ebenso an Kinder, verfügen aber über keine Altersempfehlung. Ihr Gesamtzuckergehalt schwankt zwischen akzeptablen 13 und bedenklichen 39 Prozent.

Konsumieren Vier- bis Sechsjährige eine Portion der süßesten Varianten, nehmen sie damit mehr als ein Viertel der maximal empfohlenen Zuckermenge auf.

Die AK-Experten warnen Eltern: Werbebotschaften und Zutatenlisten sollten kritisch geprüft werden!

Dringender Handlungsbedarf

Viele Eltern möchten für ihre Kinder nur das Beste und vertrauen den teils irreführenden Werbebotschaften und den kindgerechten Produktaufmachungen. Nur ein kritischer Blick auf die Nährwerttabelle oder Zutatenliste verrät, dass Babykekse teilweise mehr Zucker enthalten als vergleichbare andere Produkte.

Die AK-Konsumentenschützer fordern daher neuerlich eine Lebensmittelkennzeichnung auf der Produktvorderseite, die auch ohne Ernährungs-Expertise schnell und leicht verständlich ist.

Irreführende Angaben erkennen

Angaben wie "ohne Zuckerzusatz" sind zwar gesetzlich geregelt, bedeuten aber lediglich, dass keine Mono- sowie Disaccharide (etwa Frucht- oder Haushaltszucker) oder süßende Zutaten wie etwa Fruchtsirup oder Honig zugesetzt wurden.

Zucker ver­steckt sich hinter vielen Namen

  • Saccharose (Rohr-, Kristall-, Rüben- oder Haushaltszucker)
  • Glukose(-sirup), Traubenzucker, Dextrose
  • Fruktose(-sirup), Fruchtzucker
  • Oligofructose
  • Laktose (Milchzucker)
  • Maltose (Malzzucker)
  • Invertzuckersirup
  • Molkenpulver, Süßmolkenpulver
  • Maltodextrin(e), Dextrine
  • Honig
  • Ahornsirup
  • Mais-/Reissirup
  • Agavendicksaft
  • Konzentrierte Fruchtsäfte
  • Dattelpaste oder Trockenobst/-früchte

Dennoch können auch diese Produkte einen hohen Zuckergehalt aufweisen. Oft verwenden die Hersteller Alternativen wie Fruchtsaftkonzentrate, Dattelpaste oder Trockenobst.

Doch auch Fruchtzucker ist, entgegen der landläufigen Annahme, in hohen Mengen nicht gesünder als Haushaltszucker. Tipp: Ein Blick auf die Nährwerttabelle lohnt sich. Dort wird der Gesamtgehalt an natürlich enthaltenem sowie zugesetztem Zucker angegeben.

Auch richtiges Naschen will gelernt sein

Kinder sollten erst so spät wie möglich mit Haushaltszucker konfrontiert werden. Ein generelles Naschverbot muss dabei nicht ausgesprochen werden. Süße Knabbereien sollten allerdings als etwas Besonders gelten und nicht zur Belohnung, als Pausenfüller, Trostpflaster oder gar zum Stillen von Hunger eingesetzt werden.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat 66 Kinderkekse getestet und festgestellt, dass viele einen hohen Zuckergehalt aufweisen, was für die frühkindliche Geschmacksprägung problematisch ist und zu ernährungsbedingten Krankheiten führen kann
  • Trotzdem sind zahlreiche Produkte mit süßer Aufmachung und Ausrichtung auf Kinder im Handel erhältlich, was die Konsumentenschützer als kritisch einstufen und zu einer besseren Kennzeichnung der Produkte aufrufen
  • Viele Kekse, die für Babys beworben werden, enthalten mehr Zucker als für diese Altersgruppe empfohlen wird, und auch Produkte für Kleinkinder und Vier- bis Sechsjährige weisen einen hohen Zuckergehalt auf, was die Konsumentenschützer als problematisch ansehen
  • Sie fordern daher eine bessere Kennzeichnung und warnen Eltern vor irreführenden Werbebotschaften
red
Akt.
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