Ken Follett outet sich als Deutschland-Fan

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Ken Follett ist mit historischen Romanen berühmt - und reich - geworden. Seine "Säulen der Erde" verkauften sich Millionenfach und wurden kürzlich verfilmt. Sein neuer Roman dreht sich um Nazideutschland und den Zweiten Weltkrieg. Im erklärt Follett, wie er arbeitet und warum er sich nicht als besonders deutschfreundlich sieht.

Ken Follett ist mit historischen Romanen berühmt - und reich - geworden. Seine "Säulen der Erde" verkauften sich Millionenfach und wurden kürzlich verfilmt. Sein neuer Roman "Winter der Welt" dreht sich um Nazideutschland und den Zweiten Weltkrieg. Im Interview erklärt Follett, wie er arbeitet und warum er sich nicht als besonders deutschfreundlich sieht.

Herr Follett, Ihr Buch bietet wieder sehr viele Fakten. Wie sammeln und überprüfen Sie diese Informationen?

Follett: "Ich sammele diese Informationen aus Büchern und gucke mir alte Karten, Fotografien und Filme an, um ein Gefühl für die Zeit zu bekommen. Um diese Fakten zu überprüfen, stelle ich Experten an, die meine Arbeit lesen und korrigieren."

Wie viel Zeit haben Sie in dieses Buch investiert?

Follett: ""Winter der Welt" hat mich insgesamt zwei Jahre gekostet, sechs Tage die Woche, zehn Stunden am Tag. Ich hätte gern drei Jahre daran gearbeitet, aber ich wollte meine Leser nicht zu lange warten lassen!"

In Ihrem Buch kommt der millionenfache Mord an den Juden nur am Rande vor. Ist das Verbrechen zu groß für einen Roman?

Follett: "Ich habe die Verfolgung am Beispiel der Familie Rothmann dargestellt. Aber die Juden waren nicht die einzigen Opfer des Holocausts. Die Nazis haben zuerst ihre politischen Feinde getötet, besonders die Kommunisten. Millionen Polen und Russen wurden ebenfalls ermordet. Ich wollte stattdessen über den Aspekt des Holocausts schreiben, der meinen Lesern am wenigsten vertraut ist: Der Mord an behinderten Menschen im Programm, das als Aktion T4 bekanntwurde."

"Winter der Welt" geht sehr freundlich mit der deutschen Seite um - insbesondere für einen britischen Schriftsteller. Wurden Sie dafür in Ihrer Heimat kritisiert?

Follett: "Da möchte ich widersprechen. Autoren sind nicht "freundlich" zu irgendjemandem, aber wir müssen alle Seiten eines Konflikts beleuchten. Und ein Roman kann helfen, Geschichte zu verstehen. Ich habe nie Kritik dazu gehört. Die einzigen kritischen Worte kamen von Lesern, deren Land nicht im Vordergrund stand, etwa von Italienern und Franzosen. Aber ich kann nun mal nicht Protagonisten aus allen Ländern der Erde einführen."

Ken Follett: Winter der Welt, Bastei Lübbe, Köln, 1024 Seiten, EUR 30,90

APA/dpa/red.

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