Kern-Pizzeria lässt das Kanzleramt hungern

"That's Amore"-Geschäftsführer Christoph Silberbauer (42)
"That's Amore"-Geschäftsführer Christoph Silberbauer (42)Bild: Helmut Graf
Einen Monat nach dem eine Million Mal aufgerufenen Pizza-Video: "Heute"-Lokal-Augenschein beim Wiener Italiener "That's Amore"

Selbst für (Teilzeit-) Mitarbeiter gibt es keine Ausnahmen: Für den Wiener Italiener „That's Amore" ist auch nach dem Auftritt des Kanzlers als Essenslieferant an den Grenzen des dritten Bezirks Endstatione. Beim „Heute"-Besuch einen Monat nach dem Pizza-Clip erzählt Geschäftsführer Christoph Silberbauer: „Unlängst kam eine Großbestellung aus dem Kanzleramt. Aber wir fahren nicht quer durch Wien – aus die Maus, da kann anrufen, wer will." Nur dadurch könne auch beste Qualität garantiert werden, erklärt Silberbauer, der einst zehn Jahre lang beim Catering-Giganten "Do&Co" gearbeitet hat, denn: "Das Ding verändert sich ja, wenn du es in eine Schachtel packst."

"Da kann man nicht mehr nein sagen"

Überhaupt ordnet er den Dreh des Kanzlers in seiner seit sechs Jahren bestehenden Pizzeria in der Messenhausergasse unweit der Landstraße erstaunlich nüchtern ein: „Ich wurde eine Woche vor dem Dreh angerufen und gefragt, ob ich bei einer Imagekampagne der Roten mitmachen würde. Da dachte ich mir, warum denn nicht – und war fix der Meinung, dass da die SPÖ Landstraße kommen würde."

Erst am Tag der Aufnahme erfuhr Silberbauer schließlich, welch prominenter Pizzabote am Abend bei ihm anheuern würde: "Cirka zur Mittagszeit kam der Anruf aus dem Bundeskanzleramt, dass Christian Kern für die Dreharbeiten um 18.00 Uhr kommen wird. Da kann man dann auch nicht mehr nein sagen", scherzt Silberbauer.

Cobra-bewacht lieferte er aus

Pünktlichst standen am Abend dann rund 25 Personen bei Silberbauer im Geschäft. "Das war schon ziemlich viel Action. Kern wirkte ganz natürlich, hat den Text nicht abgelesen und ist dann losgefahren." Die nämliche Aktion dauerte vier Stunden lang. Kern fuhr, bewacht von der Cobra, von Adresse zu Adresse, übergab Pizzen, sprach mit den Menschen.

Alles fake? Der "Heute"-Faktencheck

Jetzt aber ans Eingemachte: Nur Stunden nachdem Kanzler Kern das Video auf seiner Facebookseite geteilt hatte, kamen Fakevorwürfe auf, weil einer der Empfänger ein Beamter mit rotem Parteibuch sein soll. Also: Wie viel an dem Video war echt, wie viel Insenzenierung, Herr Silberbauer? „Das war das einzige, das mich geärgert hat. Es stimmt einfach nicht, dass alles fake war. Nur der erste Pizzaempfänger war von der SPÖ ausgesucht, damit ein Dreh einmal fix im Kasten ist. Die restlichen Leute sind Stammkunden aus meiner Kartei. Ich habe sie ausgesucht, die wussten von nichts." Die Rückmeldungen? "Eigentlich durchwegs positiv. Sie fragten mich etwa: 'Was ihr immer für Pizzaboten habt ...'"

Pizzajacke "too much"

Und die Slimfit-Pizzajacke, hat jeder Bote bei "That's Amore" so ein Teil im Slimfit-Schnitt? „Nein, nein. Die Jacke hat der Kanzler selbst mitgebracht, wir verwenden gar keine Westen – ich finde das ein bissl too much."

Der rote Windbreaker mit dem Aufdruck "Pizza" soll zu Weihnachten bei „Licht ins Dunkel" versteigert werden. Da ist "too much" dann mehr als gefragt – in punkto Spendenergebnis.

Silberbauer: „Es rennt an"

Schließlich will "Heute" noch wissen, wie die Wochen seit dem eine Million Mal aufgerufenen Kanzler-Video bei "That's Amore" zu Buche geschlagen haben? „Es rennt an, der Presseansturm war recht massiv." Umsatz? „Zwischen 10 und 20 Prozent mehr. Doch so viel Publicity wirkt sich eher längerfristig aus – ein Salzburger setzt sich ja nicht gleich ins Auto, nur, um bei uns eine Pizza zu essen."

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