Alarmierender Trend

KI klaut jungen Programmierern die Jobs

Immer mehr Unternehmen stellen keine Berufseinsteiger mehr ein. Stattdessen setzen sie auf KI-Coding-Assistenten. Experten warnen vor den Folgen.
02.11.2026, 16:07
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90 Prozent aller professionellen Softwareentwickler nutzen mittlerweile KI-Coding-Agenten mindestens wöchentlich bei der Arbeit. Das hat eine Befragung unter mehr als 15.000 Entwicklern weltweit ergeben. Die Frage, ob sich diese Werkzeuge durchsetzen, ist damit beantwortet.

Doch die technische Revolution hat eine Schattenseite: Unternehmen stellen deutlich weniger Berufseinsteiger ein. Bei Softwareentwicklern zwischen 22 und 25 Jahren ist die Beschäftigung in den USA seit Ende 2022 um rund 20 Prozent zurückgegangen - während erfahrene Kollegen weiter gefragt sind.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Einen Teil dessen, was früher der erste Job war, erledigt heute ein Agent", berichtet t3n. Die Stanford-Studie "Canaries in the Coal Mine" belegt: Es sind keine Massenentlassungen, sondern ein schleichender Prozess. Stellen werden einfach nicht mehr nachbesetzt.

Kurzfristig spart man, langfristig zahlt man drauf

Die Rechnung vieler Firmen ist nachvollziehbar: Wenn Maschinen die Einstiegsaufgaben erledigen, braucht es diese Stellen nicht mehr. Doch Experten warnen: An kleinen Aufgaben entwickelten Berufseinsteiger bisher ein Gespür dafür, wie das gesamte System funktioniert.

Das Problem: Erfahrene Entwickler erkennen, wo KI-generierter Code falsch liegt. Berufseinsteigern fehlt oft noch dieser Maßstab. Sie übernehmen plausibel klingende Antworten, ohne zu sehen, was daran nicht stimmt. KI verstärkt also vorhandenes Urteilsvermögen - erzeugen kann sie aber keines.

Wer bildet die Experten von morgen aus?

Die Kluft zwischen erfahrenen Beschäftigten und Nachwuchskräften hat sich weiter vergrößert: Bei den 22- bis 25-Jährigen in KI-betroffenen Berufsfeldern sank die Beschäftigung seit dem Start von ChatGPT um etwa elf Prozent. In Berufen mit geringer KI-Betroffenheit legte sie dagegen um zehn Prozent zu.

"In zehn Jahren brauchen wir mehr Software als heute", warnt ein Experte. "Die Frage ist, wer sie dann noch bauen kann, wenn Erfahrung und Wissen fehlen." Die Systeme, um die es geht, laufen zehn Jahre und länger. Was sie am Ende kosten, entscheidet sich über diese gesamte Zeit.

Wer heute den Ausbildungsanteil streicht, entscheidet damit über die Wartbarkeit von Anwendungen, die 2036 noch laufen müssen. Nachhaltig ist das weder finanziell noch menschlich. In zehn Jahren werden diejenigen Software entwickeln, die heute weiter ausbilden.

tec, 02.11.2026, 16:07