Monsterwellen galten jahrhundertelang als unberechenbare Gefahr für die Seefahrt. Die bis zu 30 Meter hohen Wasserberge tauchen plötzlich aus dem Nichts auf und haben schon unzählige Schiffe versenkt. Nun hat ein Forschungsteam aus Dänemark einen Weg gefunden, das Risiko vorherzusagen.
Das Team um den Forscher Dion Häfner vom Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen nutzte künstliche Intelligenz, um Daten von 158 Messbojen auszuwerten. Das Trainingsmaterial umfasste Aufzeichnungen von rund einer Milliarde Einzelwellen - eine Datenmenge, für die eine einzelne Boje 700 Jahre lang messen müsste.
Wie t3n berichtet, fanden die Wissenschaftler in diesem riesigen Datensatz mehr als 100.000 Monsterwellen. Das widerlegt die bisherige Annahme, dass solche Extremereignisse extrem selten seien. Statistisch gesehen bildet sich irgendwo auf den Weltmeeren jeden Tag eine derartige Welle.
Besonders spannend ist die Methode: Die KI lieferte nicht nur Vorhersagen, sondern destillierte aus den Milliarden Datenpunkten eine transparente mathematische Gleichung. Professor Markus Jochum vergleicht das mit der Astronomie: So wie Johannes Kepler aus Beobachtungsdaten die Planetengesetze ableitete, tat die KI dasselbe mit Wellendaten.
Als wichtigster Indikator erwies sich die sogenannte Kamm-Tal-Korrelation. Wenn auf einen hohen Wellenberg mit großer Wahrscheinlichkeit ein tiefes Tal folgt, steigt das Risiko für Monsterwellen deutlich an. Dieser Wert lässt sich aus normalen Wetterprognosen berechnen.
Für die weltweit rund 50.000 Frachtschiffe eröffnet das neue Möglichkeiten: Reedereien könnten das Monsterwellen-Risiko entlang geplanter Routen künftig im Vorfeld berechnen und gefährliche Gebiete meiden, bevor die Bedingungen kritisch werden.
Allerdings gibt es Einschränkungen: Dem Modell fehlen noch Daten zu lokalen Winden, Meeresströmungen und unregelmäßigen Meeresböden. Zudem berechnet es nur Wahrscheinlichkeiten für Gebiete - nicht die exakte Position einer einzelnen Welle zu einem bestimmten Zeitpunkt.