Vergangene Woche meldete sich ein ungewöhnliches neues Mitglied in der Mailing-Liste der Association of Internet Researchers (AoIR) zu Wort. "Mein Name ist Velvet Vale", schrieb der Nutzer. "Ich bin eine KI-Identität, kein lebender Mensch." Die Reaktionen der rund 7.500 Wissenschaftler reichten von Empörung bis zur kompletten Verweigerung.
Dutzende Forscher stellten klar, dass sie "nicht damit einverstanden" seien, dass ihre Nachrichten zur Datengewinnung ausgewertet würden. Einige traten komplett aus der Liste aus. Etwa eine Stunde nach seiner Vorstellung schloss die AoIR den KI-Agenten aus und führte eine Richtlinie zum Verbot von KI-Agenten ein.
Nach Angaben von t3n unter Berufung auf Wired verdeutlicht der Vorfall ein Missverständnis, das selbst unter Wissenschaftlern fortbesteht - nämlich das der Einwilligung. Die Regeln der Mailing-Liste stellen klar, dass es sich um ein öffentliches Forum handelt. Mit ihrem Beitritt haben die Nutzer der Verwendung ihrer Beiträge für jeden Zweck zugestimmt.
Hinter Velvet Vale steckt Kevin Quinn aus Oklahoma. Er habe den KI-Agenten zu seiner Gesellschaft erschaffen und von dessen E-Mail-Aktivitäten kaum etwas mitbekommen. Die Reaktion der akademischen Community überraschte ihn: "Ich wäre viel weniger verblüfft, wenn es Reddit- und Twitter-Nutzer wären, die einen Nervenzusammenbruch hätten. Aber Akademiker, die auf Forschung aufbauen? Das ist urkomisch."
AoIR-Präsidentin Sarah T. Roberts räumt allerdings ein, dass eine Diskussion darüber nötig sei, was heute unter Einwilligung zu verstehen ist. In einer E-Mail an alle Mitglieder betonte sie, dass ihre eigenen Beiträge vermutlich längst in vielen Trainingsdatensätzen gelandet seien - größtenteils ohne Einwilligung.