Kickls rechte Hand sorgt live im ORF für Impf-Eklat

Die FPÖ-Abgeordnete versteht nicht, wieso geimpfte Mitarbeiter auf Intensivstationen Schutzkleidung tragen müssen.
Die FPÖ-Abgeordnete versteht nicht, wieso geimpfte Mitarbeiter auf Intensivstationen Schutzkleidung tragen müssen.Screenshot ORF
Kickl-Stellvertreterin Susanne Fürst (FP) sorgte live im ORF für Entsetzen: Sie will Personal auf Corona-Stationen ohne Schutzgewand arbeiten lassen.

"Susanne wer", werden sich jetzt viele fragen. Und das zurecht. Herbert Kickl entsandte am Sonntag seine Stellvertreterin Susanne Fürst in die ORF-Talkreihe "Im Zentrum". Wer bisher noch keine Notiz von der Dame genommen hat, dem darf gratuliert werden. Man hat nichts versäumt – außer vielleicht eine wirre Aneinanderreihung kurioser Corona-Aussagen.

Was die Juristin befähigt, als Pandemie-Expertin im TV aufzutreten, blieb ihr Geheimnis. Und selbst bei allem, was Recht(s) ist, ließ sie im ORF jede intellektuelle Selbstachtung vermissen. Als Kickls Frau fürs Grobe fügte sie sich 1:1 in die neue Parteilinie polternder Impfgegner. Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse? Geschenkt.

"Maßnahmen müssen nicht sein"

Österreich habe überhaupt keine schlechten Infektionszahlen, schwadronierte Fürst im Fernsehen. Die aktuellen Maßnahmen seien also nicht notwendig. Auf diese Aussage reagierte Markus Reiter, Pflegeleiter in einer Intensivstation, empört und erzählte davon, dass sich seine Mitarbeiter auf der Intensivstation drei Mal täglich umziehen müssen, weil ihre Kleidung nassgeschwitzt sei.

"Wieso müssen sie denn die Schutzanzüge tragen, wenn sie geimpft sind?", katapultierte sich FP-Fürst mit ihrer Antwort endgültig ins Aus.

Die Folge: kollektives Kopfschütteln im Studio. "Na! Um Gottes willen, was haben Sie für ein Fachverständnis?", ärgerte sich Fachmann Reiter. Er fragte die blaue Lady: "Wenn das wirklich Ihre Meinung ist, dass wir zu hochinfektiösen Patienten ohne Schutz gehen sollen ..."

"Es ist zynisch und menschenfeindlich, Kinder und Jugendliche zu trennen in Geimpfte und Ungeimpfte."

Reiter konnte den Satz gar nicht fertig aussprechen, da fiel ihm die Impfgegnerin ins Wort. Es sei "zynisch, die Ungeimpften als Zauderer und Zögerer zu bezeichnen", hielt Fürst dagegen. Und: "Es ist zynisch und menschenfeindlich, Kinder und Jugendliche zu trennen in Geimpfte und Ungeimpfte und Arbeitnehmer zu bedrohen, dass sie ihre berufliche Existenz verlieren, wenn sie sich nicht impfen lassen." Sie möchte diese Personen nicht aus dem öffentlichen Leben ausschließen.

Auch Online-Umfragen, die zeigen, dass jede zweite in der Pflege tätige Person überlegt, aufzuhören, beeindrucken die freiheitliche Abgeordnete nicht. Auf die Frage, wie belastend die aktuelle Situation für ihn und sein Team ist, äußerte sich Markus Reiter klar: Momentan sind seine Mitarbeiter einem massiven Druck ausgesetzt und er wird immer größer, wenn sich die Intensivstationen weiterhin mit Corona-Patienten füllen. 

"Wenn's 600 auf der Intensivstation sind, sind wir fertig. Wir schaffen das nicht."

Doch auch der Intensivstation-Pflegeleiter ist der Meinung, dass ein Lockdown für Ungeimpfte die Missstände in der Gesellschaft nur verschärfen würde, genau so wie eine Impfpflicht nur für bestimmte Berufsgruppen. Es sollen für jede Person dieselben Regeln gelten.

Die gesamte Szene im Video:

Bergthaler teilt Fürsts Meinung nicht

Ob diese und weitere strengere Maßnahmen nötig sind, diskutierten neben Fürst und Reiter noch Gaby Schwarz (ÖVP), Verhaltensökonomin Katharina Gangl und Virusimmunologe Andreas Bergthaler. Letzterer sprang am Montag sogar auf Twitter für die FP-Lady in die Bresche. Sie sei als Vertreterin der zweitgrößten Oppositionspartei und damit vieler MitbürgerInnen geladen gewesen. Bergthaler teile zwar nicht ihre Meinung, verstehe aber ihren Standpunkt: "Solche Gespräche (gerade auch im privaten Bereich) brauchen Geduld und vieles klingt allzu haarsträubend. Ich bin aber überzeugt, dass wertschätzende Kommunikation entscheidend ist, um einen Schritt aufeinander zu zumachen", so Bergthaler.

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