Wirtschaft

Kika/Leiner-Verkauf: Experte sieht Jobs gefährdet

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:52

Der Verkauf der Möbelketten Kika und Leiner an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe werde die Karten im heimischen Möbelmarkt neu mischen, meint Christian Wimmer, Chef der Einkaufsverbände Wohn Union und Garant.

Der werde die Karten im heimischen Möbelmarkt neu mischen, meint Christian Wimmer, Chef der Einkaufsverbände Wohn Union und Garant.

Zu Profiteuren werden seiner Ansicht nach Möbelfachhändler. Da die Kika/Leiner-Kette umsatzmäßig weniger als ein Fünftel der Steinhoff-Gruppe ausmache, seien "deutliche Anpassungen an die Konzernstruktur" zu erwarten. Die Branche gehe davon aus, dass es "zu großen personellen Veränderungen kommen wird".

Beratung geht verloren

Die Konsumenten werden das laut Wimmer an einer deutlich geringeren Beratungsqualität spüren. Das Schließen einzelner unrentabler Häuser wäre keine Überraschung, sagte Wimmer dem "Standard" (Donnerstagausgabe). 500 bis 700 Arbeitsplätze innerhalb der nächsten zwei Jahre seien bald einmal weg, vor allem in der Verwaltung. Insgesamt beschäftigt Kika/Leiner rund 7.500 Mitarbeiter. Wimmer sieht auch Lieferanten unter Druck geraten.

Kika/Leiner dürfte sein Produktsortiment in den nächsten Monaten an das in der Steinhoff-Gruppe dominierende preisgünstige Qualitätsniveau anpassen. "Tritt diese Verschiebung tatsächlich ein, kommt das den heimischen Familienunternehmen im Möbelfachhandel entgegen", so Wimmer am Donnerstag in einer Aussendung. Die Nummer 1 im Niedrigpreis- und Qualitätsbereich werde neu ausgeschrieben. Das hochwertige Segment bleibe in der Hand des Fachhandels, meint Wimmer.

Branchenobfrau spricht von "Einzelfällen"

Sport Eybl ging an Briten, Kika/Leiner wurde nach Südafrika verkauft, Niedermeyer ist pleite, dayli ringt ums Überleben. Obwohl sich die Meldungen im Handel überschlagen, sieht Branchenobfrau Bettina Lorentschitsch den Handel nicht pauschal schlecht aufgestellt, sondern spricht im Ö1-"Mittagsjournal" von Einzelfällen, die individuelle Ursachen hätten. Ein Alarmzeichen will sie nicht sehen. Es gebe derzeit eine etwas "rauere See", es handle sich aber um keine strukturelle Schwäche.

Lorentschitsch räumte aber Probleme mit zu großen Handelsflächen, der Konkurrenz durch Online-Anbieter sowie Standortnachteile durch hohe Lohnnebenkosten ein. Schwung erhofft sie sich von dem Konjunkturpaket der Regierung. Derzeit sei die Kammer zudem dabei, Händlern die Möglichkeiten des Web aufzuzeigen. Die österreichischen Betriebe hinken hier zum Teil stark hinterher. Nur etwa die Hälfte der Handelsfirmen hat eine eigene Website.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen