Killer-Bruder verschleißt schon den zweiten Anwalt

Causa Ehrenmord: Manfred Arbacher-Stöger verteidigte Hikmatullah S. (18) nur zwei Tage. Nun schmiss er hin.

Astrid Wagner gab am Wochenende entnervt auf, heute legte auch Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger das Mandant zurück. Im Telefonat mit "Heute" kommentierte er knapp, dass "unüberbrückbare Differenzen" den Ausschlag für seine Entscheidungen gegeben hätten. Seine Kollegin Wagner war etwas deutlicher, sagte: "Ich habe den Ermittlungsakt enthalten, ihn in aller Ruhe durchgesehen und bin dabei zu der Entscheidung gelangt, dass ich nicht die richtige Anwältin für den Mandanten bin und gebe den Fall daher ab."

Problematische Familie

Wagner habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betont sie im Gespräch: "Ich habe den Verdächtigen und seine Familie persönlich kennengelernt. Aufgrund dieser Eindrücke und der Umstände der Tat, die mir jetzt Schwarz auf Weiß vorliegen, werde ich dem Gericht am Montag bekanntgeben, dass ich den jungen Mann nicht mehr vertrete."

Auch Anwalt Winkler nicht zuständig

Auch Spitzen-Anwalt Philipp Winkler, der den Afghanen gemeinsam mit Arbacher-Stöger vertreten hätte, ist (noch) nicht für den in U-Haft sitzenden 18-jährigen anwaltlich tätig: "Er wollte, dass ich ihn juristisch betreue, allerdings hat sich seine Familie danach nie wieder bei mir gemeldet. Daher liegt mir auch kein Akt vor."

Kripo ermittelt auf Hochtouren

Wie geht es nun weiter? Hikmatullah S. (18) bleibt selbstverständlich weiter in U-Haft, die Kripo ermittelt nach wie vor die Hintergründe des Verbrechens und hat – wie berichtet – seit einigen Tagen auch den Vater des Teenagers im Visier. Der Mann wird mittlerweile in dem Fall als Beschuldigter geführt, wurde am Tag der Tat auch bei jener U-Bahn-Station gesichtet, an dem der Streit zwischen Mordopfer Bakhti und seinem Bruder den Ausgang nahm. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Bakhti stand Zwangsheirat bevor

Doch worum geht's eigentlich in der entsetzlichen Causa: Hikmatullah S. soll seine eigene Schwester am Montag der Vorwoche in Wien-Favoriten mit einer Vielzahl an Messerstichen hingerichtet haben, weil sie von der elterlichen Wohnung in ein Krisenbetreuungszentrum geflüchtet war. "Meine Eltern kränkten sich deswegen sehr", sagte der 18-Jährige. Er wollte sie zur Heimkehr überreden, doch die Aussprache eskalierte völlig und endete gegen 8.00 Uhr früh im Innenhof einer Wohnhausanlage in Favoriten in einer Tragödie. Dem Mädchen war zuhause die Decke auf den Kopf gefallen, da es als junge Frau überhaupt keine Rechte hatte. Bakhti durfte keine Freunde treffen, nicht telefonieren, das Kopftuch nicht ablegen – nicht einmal fotografiert werden. Demnächst hätte sie sogar eine Zwangshochzeit eingehen sollen.

"Gut, dass sie tot ist …"

In den Einvernahmen durch die Kripo zeigte der junge Mann mit völlig wirrem Weltbild keine Reue und pochte immer darauf, dass Bakhti doch die Ehre der Familie gekränkt und verletzt hätte.

(coi)

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