Ein zweijähriges Mädchen aus Trient liegt seit Mitte Juli auf der Intensivstation im Spital von Padua. Es muss künstlich beatmet werden. Wochenlang suchten die Ärzte nach dem Grund für ihre schwere Erkrankung – nun stehen erste Ergebnisse eines Labors in Rom bereit: Das Kind hatte Ende Juni ein Stückchen Käse aus Rohmilch konsumiert, welches Stämme von Escherichia-Coli-Bakterien enthielt. Die Keime produzieren das sogenannte "Shigatoxin". Das Kind wird wegen eines hämolytisch-urämischen Syndroms (kurz STEC-HUS) behandelt, durch das es unter anderem an akutem Nierenversagen leidet.
Das Mädchen war mit seinen Eltern auf einer Almhütte in Coredo gewesen, knapp eine Autostunde von Bozen entfernt. Einige Tage später fühlte sich das Kind unwohl. Der erste Verdacht fiel zunächst auf das Wasser – doch inzwischen entkräften die Untersuchungen von über 450 Proben von sämtlichen Käsesorten, die die Carabinieri in der Molkerei entnahmen, diese Theorie. Laut "Corriere del Trentino" gab die Mutter der Kleinen an, ihre Tochter habe den Käse an dem Tag nicht gegessen, sondern nur ein kleines Stück gekostet.
Das hämolytisch-urämische Syndrom entwickelt sich in der Regel binnen einem bis fünf Tagen, doch können schwere Symptome bis zu zehn Tage nach dem ersten Kontakt mit dem Bakterium auftreten. Für eine Infektion mit dem Erreger müssen die kontaminierten Lebensmittel nicht unbedingt verzehrt werden, allein der Kontakt mit der Umgebung reiche, so "Corriere del Trentino" weiter.
Wie "Trento Today" berichtet, hat die Staatsanwaltschaft von Trient und die italienische Gesundheitsbehörde kurz nach der dringenden Einweisung des Mädchens die Ermittlungen aufgenommen. Die Berghütte samt Käserei wurde bis auf weiteres geschlossen. Gegen den Hirten, der nach Angaben der Bürgermeisterin von Coredo "schreckliche Stunden durchmacht", wird wegen schwerer Körperverletzung und Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz ermittelt.