Hilfe: Kindergartenkinder werden nicht mehr betreut

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: "Tag der Elementarbildung". Kinder in Kindergärten unbetreut! Und: "Bald reicht Praxis im IKEA-Bällebad."

Der (schwarze) "Tag der Elementarbildung"

Unsere Kinder bleiben also bis nach den Semesterferien im Home-Schooling. Alle unsere Kinder? Nein! Denn für zwei Gruppen gilt das merkwürdigerweise nicht: für Kinder mit Behinderungen (hatten wir hier schon) und für Kindergartenkinder!

WARUM müssen Kindergärten in Zeiten einer Pandemie offen halten, als gäbe es weder Lockdown noch B.1.1.7? Weil in Österreich Elementarbildung noch immer nicht unter "Schule" fällt? Weil Kindergärten den Bürgermeistern "gehören", die es sich mit werktätigen Eltern nicht verscherzen wollen? Oder weil irgendwer das Rotznaserl ja putzen muss, wenn’s untertags Hatschi macht?

Kindergärten sind Bildungsstätten

Am nächsten Sonntag ist "Tag der Elementarbildung". Wir nennen sie süß "Kindergärten", aber sie sind Bildungsstätten. Vorschulen. Sie sind harte pädagogische Arbeit für unterbezahlte, unterbesetzte und überlastete Heldinnen des Alltags. Deren Gesundheit offenbar niemanden schert.

Note: Nicht genügend

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier.

Alarm: Kinder in Kindergärten unbetreut!

Gut, Wiens ca. 1.600 Kindergärten sind ab Montag Teil des Selbsttest-Gurgel-Programms für Schulen. Ein erster richtiger Schritt! Doch führt er weit genug? Mich erreicht der Wut-Brief der "langgedienten Elementarpädagogin" Birgit M.

Hier ein Auszug: "Lockdown im Kindergarten? Gibt’s nicht. Aber Herrgott, auch wir haben Familien, auch wir haben den unverschämten Wunsch, gesund zu bleiben. Es gibt keinen Politiker, der für uns zuständig sein will. Dass wir seit Corona noch mehr Arbeit haben, wurscht. Waren wir vorher schon beschämend unterbesetzt (im Europavergleich fast Schlusslicht), so müssten wir uns jetzt teilen, um unsere Aufsichtspflicht nicht zu verletzen. Aber, welch Skandal!, wir können uns immer noch nicht teilen, weshalb wir immer öfter Kinder zeitweise unbetreut lassen müssen."

Ich packe es nicht: Kinder, die im Kindergarten sind und unbetreut (!) bleiben, weil Personal fehlt. Ich nenne das "Gefahr in Verzug".

Note: Nicht genügend

"Bald reicht Praxis im IKEA-Bällebad …"

Wie man der Elementarbildung NICHT hilft, macht uns die Steiermark vor. Per Landtagsbeschluss dürfen Kindergruppen dort nun auch von Personen ohne entsprechende Ausbildung pädagogisch geleitet (!) werden. "Über 18 und in Ausbildung" reicht z.B. für die Berechtigung zur Teilnahme an einem 30-stündigen Crash-Kurs – und fertig ist die unfertige Elementarpädagogin.

Der "Standard" zitierte eine verärgerte steirische KPÖ-Politikerin so: "Bald reicht dann eine Praxis im IKEA-Bällebad."

Babysitterin bekommt mehr als Kindergärtnerin

Leserin F. schreibt mir: "Bezahlt sie mit mehr als € 9,50 brutto pro Stunde und gebt ihnen Gruppen mit weniger als zehn Kindern! Zum Vergleich: Meine Babysitterin bekommt 15 Euro netto, und sie hat nie mehr als drei Kinder gleichzeitig. Sie ist Kindergärtnerin, die keine zehn Pferde mehr in einen Kindergarten bringen würden."

Note: Nicht genügend
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